Titel: Mein kleines grünes Blatt
Autor: Annina


Am Anfang schuf der Eine, den wir Elben Iluvatar nennen, die Ainur, die Heiligen, dass sie vor ihm sängen und sie waren bei ihm.
Dann schuf er seine erstgeborenen Kinder, uns , die Elben. Wunderschön und stolz schuf er uns.
Dann schuf er einen Ainur, bei dem er irrte als er ihn zu einem Heiligen schuf und er liess ihn einen Elben sein, hier auf Mittelerde.Wie ein grünes Blatt von einem Baum liess er ihn zu Boden fallen und das Blatt fiel mir in den Schoss.
Ich nahm dieses Blatt in meine Hände und küsste es und es blieb bei mir , in meinen Armen und in meinem Herzen.

Welche Gedanken habe ich nur. Ich versuche sie zu verscheuchen,sie kehren trotzdem zurück.
Das Gras ist feucht, auf dem ich liege und meinen Gedanken und Träumen nachhänge. Ich dürfte keine Träume haben in diesen Zeiten, denn auch wir Elben werden in den Ringkrieg ziehen.Wir dürfen Mittelerde nicht der Macht Saurons überlassen, und dafür greifen wir noch einmal zu den Waffen.
Meine Aufgabe ist es vorerst, die Grenzen von Lothlorien zu schützen, nicht müssig vor sich hin zu träumen
.Auch mein kleines grünes Blatt wird in den Ringkrieg ziehen, er ist schon auf dem Weg.Der Weg nach Bruchtal wird sein erstes sein, dann wird er weiterziehen.Einen flüchtigen Kuss und ein flüchtiges Lebewohl gab er mir, als er aufbrach, zu flüchtig. Sofort regte sich das Misstrauen in mir .
Ich klammere mich an ihn, ich will ihn stets an meiner Seite haben, deshalb bereite ich mir selbst die grössten Qualen.
Wie von einem Magneten angezogen eilt er nach Bruchtal und ich kenne den Magneten.Es ist nicht der Ring, es ist nicht der Kampf, es ist ein Mensch.
Will er auch hier sehen, ob er ihn bezwingen kann, so wie er mich bezwungen hat?
Bei diesem Gedanken erfasst mich Wut, Zorn und bei den Valar, sollte es Eifersucht sein? Bisher waren mir solche Gefühle fremd, jetzt kenne ich nur noch solche Gefühle.
Ich bin stolz, herrisch und selbstsicher sagt man, weshalb kann ich mich denn jetzt nicht mehr beherrschen.
 Iluvatar irrte, als er ihn zu einem Ainur schuf.
Freilich, er ist schön anzusehen, aber könnte man nur sein Inneres sehen, wäre er hässlich wie ein Ork.
Es wird erzählt, hier in Lothlorien, unter der Hand, dass ich mich habe von ihm unterjochen lassen und wenn ich ehrlich mit mir selbst bin, habe ich das auch.
Er sprach zu mir von Liebe , Legolas ,  aber was weiss er schon davon.
Gar nichts weiss er.Er weiss nur etwas davon, andere mit seinen Gaukelein zu bezwingen und  sich dann einem neuen Spiel zuzuwenden, wenn das alte Spiel seinen Reiz verliert.
Bitterkeit wechselt in mir mit Wehmut, aber ich habe doch keinen Grund , so zu denken.Woher will ich denn wissen,dass das Spiel  mit mir für ihn seinen Reiz verloren hat?Woher will ich wissen, dass er spielte?
Es ist nichts geschehen, dass meine Gedanken so sein müssen, er hat nichts getan,  um diese Gedanken zu rechtfertigen,eine leise Stimme sagt in mir, noch nicht.Er wird es tun.
Ich streiche mir über die Stirn um diese Gedanken zu verscheuchen, in mir flüstert es, er wird es tun.
Er hat mir versichert, er würde mir treu bleiben, aber kam das Versprechen aus ehrlichem Herzen, oder gab er es nur, weil ich es ihm abgerungen habe? Es ist wahr, ich habe das Versprechen erzwungen, aber für meinen Frieden war es unerlässlich. Trozdem lässt der innere Friede auf sich warten, er stellt sich einfach nicht ein.
Mein Misstrauen ist krankhaft, ich weiss es.Er wird es nicht tun, sollte ich nicht auch Vertrauen haben?  Weshalb also mache ich ihm jetzt schon Vorwürfe?
Er liess mich glauben, dass er mich liebe und nichts ist vorgefallen,was diese bösen Gedanken rechtfertigt, dass es nicht wahr sein könnte.
Ich muss es halten , mein kleines grünes Blatt und ich muss darauf achten, dass es nicht verdorre und gelb werde vor der Zeit.
War es nicht der schönste Tag in meinem langen Dasein, als  es mir in den Schoss fiel?
Die Nacht ist noch lang und die Erinnerung köstlich.

Ich öffne die Augen und sehe die Sterne mir zublinzeln. Wieviel ärmer wären wir ohne die Sterne.
Wer hätte je gedacht, dass der stolze Haldir, der nur den Kampf und die Wachsamkeit kannte und der sich niemals in Träume  verlor,einen Elben anbeten konnte
Für uns Elben gibt es die Zeit nicht, sie bleibt und so kann ich nicht sagen, wann es geschah.
Tag und Nacht bewachten wir die Grenzen des Elbentums auf Erden und es war, dass ich mich von meinem Begleiter , wir wachen immer zu zweit, ein Stück entfernte. Ferne Geräusche waren zu hören, sie schreckten mich nicht. Ich hatte meinen Bogen gespannt um jeden, der hier in unser  Reich eindringen wollte, sofort zu töten, ganz gleich, wer es war.Lautlos bewegte ich mich durch den Wald, als mein Fuss auf ein Hindernis stiess.
Verwirrt sah ich auf den Boden, etwas lag hier, dass nicht hierhergehörte.
Zu meiner grenzenlosen Verblüffung lag hier ein Wesen, ich konnte nicht genau ausmachen, was es war. Es war ein lebendes atmendes Wesen, allerdings rührte es sich nicht.
Ich zielte auf das Wesen, dann  liess ich mich auf die Knie sinken, um  dieses Etwas näher zu betrachten.
Zu meinem grossen Erstaunen lag hier ein Elb.Er hatte die Augen geöffnet, aber ich konnte sehen, dass er nicht schlief, denn wir Elben schlafen mit geöffneten Augen, aber wir sehen die Träume, die sich in den Augen spiegeln. Menschen können diese Träume nicht bemerken.In den Augen dieses Elben spiegelte sich kein Traum. Die hellen Augen sahen nur in die Ferne. Ich musste schlucken.
Der Anblick des Elben war so zauberhaft, dass er selbst die Zauber Lothloriens, die für mich stets den grössten Bann ausübten übertraf.Er war jung und sah so unschuldig und zart aus, als hätte sich  Manwe von Anbeginn der Zeit her hierher verirrt.
Wie von unsichtbaren Händen gezogen beugte ich mich über ihn und sprach fast unhörbar:
"Bist du wohl ein Ainur, der auf diese Welt gekommen ist?"
Er hatte mich gehört und bewegte  leise verneinend seinen schönen Kopf. Wieder fragte ich ebenso leise, als könnte ich einen schönen Traum unterbrechen "Wenn du kein Ainur, oder gar Manwe bist, wer bist du dann?"
Seine Stimme war wie Gesang, wie der Gesang der Ainur vor Iluvatar, als er antwortete , jeden Laut betonend, als solle ich es nie wieder vergessen, er sagte nur ein Wort "L E G O L A S "
Und es war so, dass dieses Wort in mich eingebrannt war, vom ersten Augenblick , da er es sprach.
Stumm betrachtete ich ihn. Ich hätte ihn töten müssen, weil er unsere Grenzen überschritten hatte und doch, ich konnte es nicht tun.Langsam richtete er sich auf und sah mir gerade in die Augen und ich musste meine Augen abwenden, das war mir noch nie geschehen, in tausenden von Jahren, die ich auf dieser Welt wandelte. Stets müssen jene , die mich ansehen, ihre Augen abwenden, da meine Blicke ihr Inneres zu erforschen meinen.
Nun ging es mir so, mir dem stolzen Wächter Lothloriens .
" Warum Legolas ", brachte ich mit Mühe hervor, denn sein Gesicht wurde immer heller und schien von innen her zu leuchten, als ein leichtes Lächeln über es glitt
" Nur ein kleines grünes Blatt bin ich."
Ich wurde mir bewusst, dass ich immer noch vor ihm auf den Knien lag.Er wandte seine Augen nicht von den meinen und meine Verwirrung steigerte sich.
" Was tut ein  kleines grünes Blatt hier in Lothlorien, " versuchte ich den Zauber zu unterbrechen, der auf mir lag.
" Ich kann es dir nicht kundtun, nur deiner Herrin werde ich es sagen"
Damit  hatte er sich erhoben und stand vor mir, so im Sternenlicht , dass ich immer noch glaubte, ein Zauber habe sich über die Welt gebreitet und bannte mich mit starken Händen.
" Und glaubst du wohl, du Abkömmling der Erstgeborenen  Iluvatars, ich hätte dich nicht töten können?Du wärst bestimmt nicht mehr am Leben, wenn du nicht deinen Zauberbann über mich geworfen hättest.Schreckt dich dies nicht?"
"Es schreckt mich nicht, denn du kannst mich nicht töten, Haldir, du erster Wächter des Elbentums auf Erden".
Meine Worte versagten, denn woher kannte er meinen Namen?
Nach einigen Augenblicken hatte ich mich wieder in der Gewalt.
" Legolas, grünes Blatt, oder wer immer du auch bist, versuche nicht, mich zu verzaubern, denn es wird dir nicht gelingen. Ich werde dich jetzt zur Herrin bringen. Frau Galadriel wird sich deiner annehmen und solltest du keinen triftigen Grund sagen können, weshalb du hier eingedrungen bist, so wird es dir wahrlich nicht lieblich in den Ohren klingen. Des kannst du ganz gewiss sein"
Mit diesen Worten griff ich nach seinem Arm ,um ihn zu halten und liess ihn doch wieder los, weil ich meinte, einen Schlag auf meiner Hand zu verspüren.Er lächelte mich an.
" Es wird dir nicht gelingen, mich zu halten, Haldir, aber da es ganz allein meinem Wunsch entspricht, vor der Herrin zu stehen, so werde ich dir folgen. Nur, berühre mich nicht, denn ich will es nicht."
Unbändiger Zorn entbrannte in mir.
"Hüte deine Zunge, kleines grünes Blatt, nicht ungetraft spricht man so mit mir"
"Willst du mich strafen? Versuche es , denn du kannst es nicht" Leise und lieblich klang seine Stimme, aber sie hätte etwas von einer grossen Gefahr an sich.
Er lächelte wieder, und so unschuldig er auch aussah, er konnte mich dazu bringen, ausser mir zu sein. und jede Beherrschung zu verlieren.Ich spannte meinen Bogen und zielte auf ihn.
Er liess seinen Arme herabsinken und berührte seinen Bogen, der neben ihm im Gras lag, nicht.
" Ich werde dir folgen, weil ich es will,  nicht, weil du es mir sagst."
 Damit ging er vor mir her und ich war verwirrt, zum ersten Mal in meinem Leben, das doch schon so lange währte.

Lange noch, nachdem ich ihn der Herrin gebracht hatte, stand ich und betrachtete die Sterne.
Seufzend nahm ich meinen Bogen wieder auf und ging in die Nacht, um zu wachen,um wachsamer zu sein, als sonst , denn die Botschaft des grünen Blattes bedeutete Krieg.
Am Tage bekam ich Legolas nicht zu Gesicht, erst am Abend sah ich ihn wieder. er schien mir auch ein Kind der Sterne zu sein, denn er sass unter einem Mallornbaum und sah mit sehnsüchtigem Blick zu ihnen auf.Ein leises Lied kam von seinen Lippen, so lieblich klang es und so zauberhaft war der Anblick, dass ich wie gebannt verharrte. Trotzdem vergass ich meine Vorsicht nicht und verharrte völlig lautlos.
"Bist du es, Haldir, Bewahrer des Elbentums auf Erden?" sagte er leise mit geschlossenen Augen.
" Hast du meinen Schritt erkannt? Ich dachte, ich bewegte mich lautlos."entgegnete ich.
" Ich kann dich mit meinen Sinnen erkennen, ich brauche dich nicht zu hören"Immer noch klang die leise Stimme lieblich und rein, als wäre sie Gesang.
"Deine Sinne sind scharf ,kleiner Elb." "Nenne mich nicht kleiner Elb, ich trage einen Namen".
"Ja, ich weiss, dein Name ist L E G O L A S", entgegnete ich, jeden Laut betonend, wie er es in der vergangenen Nacht getan.
Er sah mir in die Augen und ich konnte meinen Blick nicht abwenden.
"Sauron versammelt wieder alle Undinge, die noch von Morgoths Zeiten auf der Erde sind, es bleibt nicht viel Zeit. " Immer noch wie im Traum fragte ich "Wozu bleibt die Zeit nicht?"
"Die Zeit zu lieben  sollte nun beginnen, statt dessen ist sie vorbei."
"Was weisst du, Legolas, von der Liebe? Elben kennen dieses nicht, Elben brauchen keine Liebe."
" Liebe , Haldir, ist das einzige, wozu das Dasein lohnt. "
Eine sonderbare Wärme füllte plötzlich mein Herz, nie hatte ich zuvor solches verspürt.
" Und kennst du die Liebe, grünes Blatt?"
Leicht, wie die Berührung einer Feder, legte er seine Hand auf meinen Arm.
" Fühlst du sie nicht? Ist sie nicht in deinem Herzen? Oder bist du so kalt, dass nicht der Schatten eines Gefühls in dir ist?"
Wie gelähmt war ich, ich konnte mich nicht bewegen, ich konnte nichts erwidern.
Alles,in mir war in Aufruhr, nie hatte ich derartiges gefühlt.
Doch ich sammelte mich und entgegnete scharf: "Diese Gefühle lenken uns von unserer Wachsamkeit ab, versuche nicht, mir solche einzureden."
Trauer trat in seine hellen Augen."Liebte nicht Iluvatar seine Geschöpfe, vom Beginn aller Zeiten an? Weshalb sollen seine erstgeborenen Kinder, die Elben nicht lieben können?"
Ich schluckte.Diese Nacht und die Gegenwart dieses Wesens, was immer es auch war, ein Ainur, oder ein Elb, brachten  mich in eine Verwirrung, wie ich sie nicht fühlen sollte.
"Willst du mich die Liebe lehren, die ich nicht fühle, Legolas? Willst du dich mir Iluvatar vergleichen? Das steht dir schlecht zu Gesicht, kleiner Elb.Denn das bist du, mehr nicht."
In seinen Augen standen Tränen und er wandte sich rasch ab."Auch noch Tränen," höhnte ich, "darauf wartete ich nur.Willst du mit Tränen erreichen, das ich mich dir zuwende? Das magst du bei jedem erreichen, dem du begenest, doch nicht bei mir. Versuch es doch bei den Menschen, die kennen die Liebe ja. " Ich musste diese Worte sprechen, um ich selbst zu bleiben.
" Grausame Worte sprichst du, Haldir, warum tust du dieses?" Er stand jetzt vor mir , mit bleichem und erregten Gesicht.
Brüsk wandte ich mich ab." Höre, kleiner Elb, Legolas, ich will dich nicht und ich will nicht deine Gefühle."
"Verzeih, wenn ich dich beleidigte". Seine Stimme klang hinter mir leise, kaum zu hören.
Gegen meinen Willen wandte ich mich wieder zu ihm um."Du bist ein Zauberer" raunte ich leise."Du erreichst, dass ich mich verliere, warum willst du das?"
Sein helles Gesicht war gerade vor mir.Durch seine Tränen lächelte er mich an."Ich will nicht, dass du dich verlierst, du sollst du selbst bleiben. Ich will nur wissen, ob du auch ein fühlendes Wesen bist." "Was liegt dir daran?"  Vorsichtig fuhren meine Lippen über seine Schläfen. "Warum willst du es wissen?" Plötzlich schlang er die Arme um meinen Hals.Er antwortete nicht ,sondern lächelte nur, ein Lächeln, wie einst Varda Manwe anlächelte. Ich berührte seine Lippen"Willst du , dass wir uns nicht trennen, so wie Manwe und Varda?" "Ich bin nicht Varda und du bist nicht Manwe, ich bin nur ein  grünes Blatt." "Mein kleines grünes Blatt " sagte ich leise, denn es war um meine Beherrschung geschehen.
" Lehre mich die Liebe, denn ich kenne sie nicht, aber du bist ein Liebender."
Geheimnisvoll blickten seine Augen. " Du kennst sie , Haldir, lehre mich deine Liebe."
Ich legte die Arme um ihn, vorsichtig , als könnte ich ihn zerbrechen. Ich liess mich ins Gras sinken und mit mir sank mein grünes Blatt.
Nichts in dieser Liebe war mir fremd, mir war, als kannte ich sie von Anbeginn an.
So zart ich es vermochte legte ich meinen Arme um ihn. Er  lag im Gras und sah mir immerfort in meine Augen, die ich nicht von den seinen wenden konnte.Seine Augen veränderten sich, sie schienen silbern, ohne Pupillen.und für einen winzigen Augenblick durchzuckte mich Furcht Mir war, als hielte ich einen Valar im Arm ,einen der Macht hat, denn er hatte Macht, alle Macht über mich.
Doch in diesem Augenblick wurden seine Augen wieder blau und sie blickten furchtsam.Da erkannte ich, dass er entgegen seinen Reden, die er geführt, die  Liebe zuvor auch nicht erfahren hatte.
 Ich fühlte, dass er zitterte.Seine Hände, die um meinen Hals geschlungen waren, bebten. Eine wunderbare Sicherheit durchströmte mich, ich strich behutsam über sein Haar,  welches wie ein helles Tuch über das Gras gebreitet war." Fürchtest du dich, mein kleines Blatt?" Kaum konnte ich sein Ja erahnen.
"Warum fürchtest du dich, glaubst du denn, ich könnte dir wehtun?Glaubst du das? Ich will dich meine Liebe, wie du es wolltest lehren und sie wird zart sein, so dass du niemals Furcht haben musst. "
 Er verbarg sein Gesicht an meiner Schulter .Eine lange Zeit strich ich beruhigend über sein Haar, sein Gesicht und seinen Hals. "Willst du bei mir sein, kleines Blatt?" Dieses Mal hörte ich sein Ja deutlich . Vorsichtig legte ich meine Lippen auf die seinen, er zögerte , einen Augenblick, dann gab er nach . Behutsam und zärtlich war ich, auch wenn mich  ein brennendes Begehren erfasste,  ich wollte mein  Blatt nicht erschrecken.Er wandte seine Augen nicht von den meinen, als er voller Vertrauen sich mir hingab und uns  die Leidenschaft in den reinen kühlen Himmel der Erfüllung trug.

In dieser Nacht sangen die Sterne in Lothlorien.Für einen Augenblick offenbarte sich mir das Geheimnis des Lebens, nach dem ich so lange suchte.Auf alle Fragen, die ich dem Leben je stellte , war  Legolas die Antwort.
Alle Zeiten, die ich schon auf dieser Erde weilte, war ich ohne Schmerz, ohne Verzweiflung ,aber auch ohne Hoffnung gewesen, und ich erkannte, dass es  besser sei, Schmerz und Verzweiflung zu erleiden, aber Hoffnung und Liebe im Herzen zu haben. Meinen Stolz, meine Beherrschung , meine Ruhe, gab ich in diesem Moment hin .
Gefühle, wie ich sie niemals auch nur ahnte, durchströmten mich,Sehnsucht ; Freude und Dankbarkeit . Legolas hatte sie in mir erweckt und als ich in seine Augen blickte,
sah ich, dass er diese Gefühle vom Beginn der Zeiten her kannte und er wollte mich diese Gefühle lehren.Ich glaubte und ich glaube es noch, das ich das Unerreichbare im Leben erreichen könne, mit ihm an meiner Seite.Mein langes Leben, noch einmal wollte ich es von vorn beginnen, mit Legolas, meinem grünen Blatt.
Noch immer wie im Traum strich ich über sein zartes Gesicht, über seinen hellen Leib, denn schön ist Legolas und er verbarg sich nicht vor mir.Immer noch hielten wir uns fest in den Armen, "Bleibst du bei mir?" fragte ich ihn leise. Er lächelte. "Willst du das, Haldir, willst du es wirklich?"
Mein Gesicht gab ihm die Antwort. " Wenn du es willst, dann werde ich bei dir bleiben ." Weil ich es will,  wirst du bleiben, nicht, weil es dein Herz dir sagt?"

Der erste Keim des Misstrauens war in mich gelegt und ich erkannte mit aller Schärfe  , dass Liebe nicht nur Glück bedeutete.

Meine Stimme klang schärfer, als ich es beabsichtig hatte, er zuckte in meinen Armen zusammen. "Weil mein Herz es mir sagt, Haldir, deshalb will ich bleiben." Meine Arme umklammerten ihn fester und ich sah ihn forschend an, denn diese Antwort, war sie nicht zu rasch gegeben? " Zu schnell kam diese Antwort, Legolas, spricht dein Herz jetzt in Wirklichkeit?"Ich umschlang ihn so fest, als wollte ich ihn jetzt zerbrechen.
Er sah mich an, Angst war in seinem Gesicht zu sehen."Fühlst du es denn nicht Haldir?Was sollte ich anderes sagen."
Der Ausdruck seines Gesichtes, voller Furcht und doch voller Zärtlichkeit, besänftigte mich.
Liebevoll strich ich über die langen Strähnen seines Haares. "Verzeih, mir, mein Blatt, es waren unbedachte Worte, ich will dich nicht verlieren, ich will, dass du mir gehörst."
Dieses "Ich will" erschreckte mich selbst,aber ich war keiner  Gedanken fähig, immer kreisten sie nur  um diese Worte "Du gehörst mir".Dieses , Du gehörst mir sollte kein Liebender auch nur denken, denn niemand ist das Eigentum eines anderen.Mit meiner Liebe zu ihm betrachtete ich Legolas als mein Eigen, mein Geschöpf und ich wollte ihn halten, für alle Zeit.
Der Gedanke war mir ferne, dass man ein geliebtes Wesen in dieser Weise nicht halten kann.

Forschend sah ich in das wunderbarste aller  Gesichter unter mir.Welche Gedanken kreisten wohl hinter der glatten Stirn.
Ich wollte alle seine Gedanken erraten, ja, ich wollte allein in seinen Gedanken sein, ich wollte all seine Sinne beherrschen . Dies wünschte ich in dieser zauberhaften Nacht und ich tat alles um den Zauber zu brechen, der über dieser Nacht lag, gegen meinen Willen.Nie hatten Wünsche und Begehren mein Wollen beherrscht und jetzt konnte ich nichts anderes mehr denken.
" Liebst du mich, mein Blatt?" fragte ich leise." Du hast es mir noch nicht gesagt."
Er lachte leise, zum ersten mal hörte ich ihn lachen und es klang schöner als alle Chöre der Elben. Selbst die Ainur konnten wohl nicht schöner klingen.
" Hast du es nicht gehört? Mit allen meinen Sinnen habe ich es dir gesagt und du hörst es nicht? Wo sind deine scharfen Sinne ?".
" Sag es mir, sag es mit Worten, " forderte ich.
" Ich liebe dich, Haldir"
"Wenn es dir ernst ist, musst du es schwören."Wie im Fieber schloss ich ihn in die Arme und presste ihn an mich. " Schwöre es, dass du  niemals an einen anderen auch nur denken wirst."
Deutlich sah ich es in seinem Gesicht, nicht Zärtlichkeit, sondern Furcht war in ihm zu lesen,und Furcht sollte nicht der Ausdruck sein , der im Antlitz Liebender zu sehen ist.
" Ich schwöre es, aber gleich, ob ich schwöre oder nicht, du vertraust mir nicht." sagte er leise.
Damals kamen mir diese Gedanken nicht, heute weiss ich es, ohne Vertrauen kann keine Liebe bestehen und die Angst, ihn zu verlieren, nicht  alle seine Gedanken auszufüllen, liess mich so absonderlich handeln.

" Verzeih, mein Blatt, ich will dir vertrauen, verzeih."
Er nahm mein Gesicht in seine Hände und sah mir eindringlich in die Augen"Wie könnte ich dir denn nicht verzeihen,  denn ich liebe dich .Glaubst du ich wäre hier bei dir, wenn es nicht so wäre?"
Ich umschlang ihn und der Zauber der Nacht kehrte wieder, im Gesicht Legolas' war keine Furcht mehr zu sehen, nur Liebe und Vertrauen waren darin zu lesen und für mich  wurde meine Liebe zu ihm zum grössten Abenteuer aller Zeiten, das ich mit ihm begann.Die Erinnerung an jene Nacht, helle Augen, die wie Feuer in meinen Augen brannten, schmale Glieder, die mich umklammerten und mich zu sich zogen, zarte Finger, die über mein Gesicht strichen, weiche Lippen, die auf den meinen lagen, diese Nacht und die Erinnerung an sie ist das köstlichste  Geschenk, das ich je erhalten durfte.
Als er in meinen Armen einschlief, sah ich in seine Augen. Sie spiegelten seinen Traum und in seinem Traum sah ich mein Gesicht.
Mir war bewusst, dass ich diesen Augenblick festhalten musste, ihn nicht zerstören durfte, aber wie wenig gelang mir das doch.
Als die Sterne verblassten und die aufgehende Sonne ihre Strahlen auf unsere Gesichter sandte, blinzelte er dem Tag entgegen und sah mir dann in die Augen. "Hattest du einen schönen Traum, mein Liebster?" fragte er. Ich hatte keinen Schlaf in seiner Nähe finden können, aber ich fühlte mich , als hätte ich alle Kraft der Welt."Ich hatte den schönsten Traum der Welt, ich träumte von einem kleinen grünen Blatt" sagte ich scherzend. Auch das war eine neue Eigenschaft, die ich bei mir bisher noch nie entdecken konnte.
Er hauchte mir einen Kuss auf meine Lippen und richtete sich auf.
"Ich muss jetzt gehen", sagte er leise."Wohin willst  du gehen ?"Mein Schreck war unbeschreiblich."Ich muss heimkehren, denn mein Vater braucht mich.Ich werde weiterhin sein Bote sein.Du weisst, welch schreckliche Zeiten angebrochen sind.Wir dürfen nicht nur auf uns sehen."
"Leicht sagst du das Legolas, zu leicht." Er legte seine Hand an meine Wange.
"Es ist nicht leicht für mich  , Haldir, wie kannst du das nur denken. Du wirst in meinem Herzen sein, wenn ich gehe."
Ich kämpfte einen Augenblick mit mir und meinem Pflichtbewusstsein un d dieses unterlag.
Mein Entschluss war schnell gefasst.
"Es genügt mir nicht, nur in deinem Herzen zu sein.Ich werde dich begleiten, denn ich will dich in meiner Nähe behalten. Ich will Tag und Nacht um dich sein."
Wieder schien es mir, als ob er zögere."Du wirst mich nicht begleiten können, denn du bist der Bewahrer des Elbentums auf Erden. Wer sollte hier an deiner Stelle wachen?Die Herrin wird dir nicht gestatten, dass du dich entfernst.."
Stolz entgegenete ich"Wer, wenn nicht ich bestimmt in Lothlorien,wer sich entfernen darf.Mein Bruder mag an meiner Stelle  wachen.
Ich kehre bald zurück, mit dir und dann mag das Schicksal seinen Lauf nehmen. Aber ich lasse dich nicht von meiner Seite "
Er senkte den Kopf , sein Haar verbarg sein Gesicht, so dass ich den Ausdruck in demselben nicht wahrnehmen konnte.War sein Ausdruck von Unwillen geprägt oder von Trauer?
Fast schien es mir so, denn er sah mich weiterhin nicht an, als er leise entgegnete:
"wenn du es wünscht,magst du mich begleiten."
Ich hatte Jubel erwartet und musste mich mit dieser leisen, verhaltenen Zustimmung begnügen.
Ich begriff sein Zögern nicht und deutete es falsch.
Damals erkannte ich nicht, dass Legolas sich mir zum Geschenk machte, ich begann ihn mit meiner Liebe zu erdrücken, so dass er nicht mehr atmen konnte.

In mir stieg Zorn auf, aber einmal von mir gefasste Entschlüsse widerrief ich nie.
So teilte ich der Herrin mit, dass ich Legolas zu begleiten gedächte.
Sie sah mich lange  und eindringlich an und sagte leise.
"Haldir, mein oberster Wächter, hast du  auch alles gut bedacht? Ich wünschte, du würdest dich anders entscheiden, denn du wirst leiden und auch Legolas aus dem Waldlandreich wird leiden."
In ihren Augen sah ich, das die Herrin um unsere Liebe wusste und dass sie sie nicht gut hiess.
"Wenn du es so wünscht, ziehe ins Waldlandreich , aber kehre bald zurück, ich werde dich brauchen.Und , Haldir, zerstöre ihn nicht, er beginnt gerade erst zu leben"
Die Herrin konnte meine Gedanken lesen und sie wollte mich warnen.
Keine warnende Stimme wollte ich hören, ich hätte auch ein Verbot der Herrin in den Wind geschlagen. Alles in mir fieberte der Reise mit meinem geliebten Wesen entgegen. Ich würde Tag und Nacht um ihn sein, er würde nur noch mich sehen und seine Gedanken würden sich nur noch auf mich richten.
So begannen wir unseren  gemeinsamen Weg.Legolas war ein vorzüglicher Reiter, er stand mir in nichts nach.Wie es unsere Art ist, ritten wir ohne Sattel und Zaumzeug, es bereitete ihm Freude, vor mir herzujagen und mich weit hinter sich zu lassen.Sein helles Haar wehte wie eine Fahne im Wind , lachend wandte er sich zu mir um , und wollte ich an seiner Seite reiten, stürmte er wieder voran.Dieses ungestüme Kind, das es liebte, wie der Sturm zu reiten, zu jagen und zu lachen hatte nichts mit dem Valar der zauberhaftesten aller Nächte gemein.
Ich bemerkte die Vielfalt seines Wesens, denn er lachte an meiner Seite, er liebte mich, ungestüm mit allen Fasern seines Herzens, er konnte sich scheu vor mir verbergen und wollte erobert sein.
Ich liebte seinen Körper und ich wollte mehr, unendlich viel mehr.
"Willst du mit mir die grauen Anfurten sehen, willst du mit mir in den Westen gehen?Dort werden wir ewig zusammensein und ein neuer Morgen bricht für uns an."
Nachdenklich sah er in den nächtlichen Himmel
"Sprichst du von einem neuen Morgen, Haldir?Ich wünschte ,es gäbe ihn.Aber wir werden ihn vielleicht nicht sehen, denn Unheil  und Krieg kommen über uns.Wir werden zu den Waffen greifen und wir müssen unseren Weg getrennt gehen."
Unwillig entgegnete ich " Es käme dir sehr recht, nicht wahr? Dann brauchtest du mich nicht mehr sehen. " Verwirrt sah er mir in die Augen."Haldir, unsrere Wege in diesem Krieg werden vielleicht verschiedene sein.Ich liebe dich,  ich will bei dir bleiben, doch auch Liebende müssen sich manchmal trennen."
Ein roter Schleier aus Zorn legte sich über mein Herz."Schnell ist deine Zunge bei solchen Bekenntnissen, aber du sprichst falsch."
Er war aufgestanden und wich jetzt vor mir zurück.
"Du willst nicht mit mir zusammen sein, sag, dass du es nicht willst"schrie ich. Ich fasste seine schmalen Schultern und schüttelte ihn.
"Sag es.Glaubst du denn, ich lasse dich am Leben, wenn du mich verlassen willst?"Leise und drohend klang jetzt meine Stimme.Mir selbst nicht bewusst hatten meine Hände den Weg zu seinem Hals gefunden.
Entsetzt versuchte er meine Arme von seinen Schultern , meine Hände von seinen Hals zu lösen.
Als sich die  Nebel des Zorns wieder lichteten, bemerkte ich , was ich getan hatte.
Ich fiel auf meine Knie und verbarg das Gesicht in meinen Händen, denn ich fürchtete mich vor mir selbst. Wie konnte  ich solches nur tun.
Wieder bat ich ihn um Verzeihung, wieder presste ich ihn in meine Arme, erwartend, dass er mir vergebe, wie er es schon  getan.
Er rührte sich nicht, er schlang die Arme nicht um meinen Hals, das Erschrecken hatte ihn verstummen lassen.
Lange bemühte ich mich in dieser Nacht um wieder ein Lächeln auf seine Lippen zu zaubern, es gelang mir nicht..
Mein ganzes Sein war auf seine Vergebung gerichtet und er vergab mir.Er gab sich mir  hin, doch sein schönes Gesicht leuchtete nicht und kein Feuer brannte in seinen hellen Augen.
Mein Hass auf mich selbst war gross und ich wollte alles dafür geben, ihn wieder voller Liebe lächeln zu sehen.

Er ritt am nächsten Tage  neben mir, wir sahen uns nicht an, er hatte keine Worte für mich und mich liess die Scham schweigen. Meine Sehnsucht nach seinem liebevollen Lächeln wurde so gross, dass ich meinte, meine Seele würde zerspringen.
Er hielt den schönen  Kopf beharrlich gesenkt, so dass ich Mühe hatte, in sein Gesicht zu sehen., ."Mein kleines Blatt " sagte ich leise."Ich bitte Dich, bei den Valar, bei allem , was mein Herz bewegt, und du bewegst es, du allein, sprich zu mir, schweige nicht, denn dein Schweigen ist furchtbar, so furchtbar, wie ich es in der vergangenen Nacht für dich war."
Er sah mir plötzlich in das Gesicht und siehe, er lächelte, ein wenig furchtsam noch, aber auch liebevoll."Haldir, beende deine Qual,  ich bin doch am Leben und mir ist nichts geschehen."
"Es ist nicht mein Verdienst, " entgegnete ich leise." Legolas, vermagst du es denn noch, mich zu lieben?" Wir waren vom Pferd gesprungen und er stand vor mir und sah mir lächelnd in die Augen.
"Anderes kann ich nicht sagen, als ja, ich liebe dich."Er lachte leise. "Vertrau mir doch, nur ein wenig, ich bitte dich."
Vorsichtig, wie ein kostbares Geschenk nahm ich ihn in die Arme , das Leuchten in seinem Gesicht war wieder zu sehen und wir waren verzauberter und glücklicher als in unserer ersten Nacht in Lothlorien. Als ich ihn im Arm hielt und Träume in seinen Augen standen , dachte ich mit Schrecken an die unseligen Leidenschaften, die in mir schlummerten. Stets war ich beherrscht und ruhig gewesen, aber mit allen Gefühlen, die wunderbarer als alle Kostbarkeiten dieser Welt waren, erwachten auch solch furchtbare Dinge in mir, dass ich mich selbst verfluchte.
Ich hatte mein Blatt verletzt und er lächelte mir trotzdem voller Liebe zu.
Unseren Weg setzten wir verhaltener als bisher  fort, er stürmte nicht mehr voran sondern blieb an meiner Seite , wir sprachen nicht oft, aber in unseren Blicken stand die Liebe , die uns vereinte.
Es waren wundervolle Stunden , unsere Sinne spürten nicht das Geschehen der nächsten Tage .
Es geschah allein, weil ich meinen Gefühlen gestattete auszubrechen und Unheil anzurichten.

Bisher waren wir von lebenden Wesen nicht behelligt worden ,nur einige Orks, vereinzelt kreuzten unseren Weg, ohne uns wahrzunehmen.
Glücklich war ich , dass ich mein Blatt für mich hatte, doch das Glück war mir nicht hold, denn eines Abends , als ich  mich von einem Erkundungsgang unserem Nachtlager näherte, hörte ich Stimmen, die eine war der liebliche Gesang meines Legolas, die andere klang  härter, aber nicht bedrohlich. Jede Vorsicht vergessend, entdeckte ich zu meinem Leidwesen einen der Dunedain, wie wir die Waldläufer in unserer Sprache nennen.Er und Legolas waren in ein Gespräch vertieft, welches sie flüchtig unterbrachen, als sie meiner ansichtig wurden.
"Das ist Aragorn, Arathorns Sohn " sagte Legolas in einem Tone ,als verkünde er mir eine Offenbarung Iluvatars und der Ausdruck seines Gesichtes war so, als erwarte er, dass ich  bei Nennung dieses Namens, der mir ja bekannt war,vor Ehrfurcht erstarren würde.
Nichts lag mir ferner als dieses, denn ich hatte nicht nur durchaus keine Ehrfurcht vor dem Dunadan, sondern ich fühlte mich gestört durch seine Gegenwart, denn  es schien mir, als würde mein kleines Blatt nur unwillig die Zeichen meiner Liebe ertragen.
Jetzt weiss ich, unsere Zärtlichkeit geht nur uns allein an, sie ist nicht für Dritte gedacht, doch ich fürchtete um seine Liebe.
Jedes Mal, wenn Legolas an den Lippen des Dunadan hing, als verkündeten sie die Weisheit aller Welten, jedes Mal, wenn er ihn anlächelte,  jedes Mal, wenn seine Augen  den Blick des Dunadan suchten,fuhr mir ein Schmerz, schärfer als ein Messer durch mein Herz.Mein Blut war am Sieden, ich war nicht mehr ich selbst .Es wäre mir nicht leid gewesen, wenn ein Unwesen Morgoths Aragorn verschlungen hätte, so dass ich mit meinem Blatt hätte allein sein können, doch Liebende sind niemals allein mit sich selbst auf dieser Erde und ohne Vertrauen können sie nicht bestehen, aber ich war nicht fähig, Legolas zu vertrauen obgleich er mich gebeten hatte.
Mit grimmigen Gesicht sass ich des Abends neben ihnen , lauschte ihrem  fast unverständlichen Flüstern, hörte Legolas' leises Lachen, sah, wie der Dunadan sich zu Legolas beugte, fast schien es mir, als wollte er  seine Lippen berühren .Mit einem Schrei sprang ich auf, ich zog Legolas mit mir in die Höhe und vor den Augen des Dunadan versetzte ich ihm einen heftigen Schlag in sein zartes Gesicht..
Für einen Augenblick erschien es ,als wären wir erstarrt, solch schreckliche Stille breitete sich aus.
Aus den Augenwinkeln bemerkte ich, dass der Dunadan sein Schwert gezogen hatte, es war mir gleich.
Legolas  hatte  das Gesicht in den Händen verborgen, dann sah er mich an.Seine Augen sprühten, sein Zorn schien grenzenlos zu sein, nie hatte ich ihn so gesehen.
Leise und bedrohlich klang  seine Stimme.
"Du hast mich geschlagen?" Er trat einen Schritt auf mich zu und  dieses Mal wich ich zurück  . .Wieder klang seine Stimme, als gehöre sie nicht ihm.
"Du hast mich ins Gesicht geschlagen,niemand schlägt einem Elben aus dem Düsterwald ins Gesicht, niemals, auch du nicht, Haldir aus Lothlorien." Damit wandte er sich ab und ging zu den Pferden. Schnell und gewandt sprang er auf sein Ross, und als ob das Unheil nicht enden wollte, der Dunadan schwang sich hinter ihn.
Legolas warf mir noch einen Blick, zu der mein Blut zu Eis erstarren liess.
"Wage es nicht, mir zu folgen." Wie der Sturm entfernte sich sein Ross und ich stand , als hätten mich die Undinge Morgoths auf diese Stelle gebannt. Die Finger hatte ich in der Mähne meines Pferdes vergraben und ich bemerkte, dass ich weinte,stossweise schluchzte ich und  Tränen rannen über meine Wangen.

Als die  Erstarrung sich löste, liess ich mich zu Boden sinken.Ich bebte am ganzen Körper, meine
Hände krallten sich in die Erde.
Mein erster Gedanke war, meinem Blatt zu folgen, mich ihm zu Füssen zu werfen, ihn anzuflehen.
Ich wollte meinem Entschluss folgen, doch bevor ich mich erhoben hatte, sah ich das liebliche Gesicht Legolas' vor mir, die Augen blickten eisig und seine Stimme war kalt."Du hast mich geschlagen , Haldir? Merke es dir wohl, niemals schlägt man mich, niemals"
Immerfort hörte ich die gleichen Worte, ein Schauer durchfuhr mich, ich konnte ihm nicht folgen  ,obgleich mein Herz es verlangte.
Sein Gesicht vor meinem inneren Auge wandelte sich und seine Stimme klang liebevoll" Vertrau mir doch , nur ein wenig, ich bitte dich" Ich sprang auf, um der liebevollen Stimme zu folgen, denn er würde mir vergeben,ich war des ganz gewiss.
Ein anderes Gesicht schob sich vor meinen Legolas, das Gesicht des Dunadan. Harte, kühle Augen sahen mich spöttisch an und eine leise Stimme sagte.
"Haldir, oberster Wächter aus Lothlorien, sieh ihn dir an, sieh genau hin. Er gehört jetzt mir und du kannst nichts dagegen tun."
Ich stiess einen Schrei aus und mit diesem wusste ich, ich konnte ihnen nicht folgen. Sollte ich mein kleines grünes Blatt in den Armen des Dunadan sehen,würde ich sie beide töten, die Gewissheit hatte ich.
Ich riss mein Ross herum und sprang auf seinen Rücken.
Die Herrin war erfreut, mich zu sehen, denn sie brauchte meinen erfahrenen Rat und meine sichere Hand, ich sollte mit meinen besten Bogenschützen zu Herrn Elrond nach Bruchtal ziehen, um das Bündnis, dass einst zwischen Elben und Menschen bestand zu erneuern und die Menschen im Kampf gegen das Böse in dieser Welt zu unterstützen, denn unerreichbar schnell und sicher sind wir Elben im Kampf.
Diese Nacht, die auf mich hernieder sieht, kann meine letzte Nacht in dieser wunderbaren Welt sein, in der ich bisher lebte.Es ist mir gleichgültig, ich wollte, ich lebte nicht mehr.
Nur eines hält mich aufrecht, die Hoffnung, Legolas in Bruchtal zu sehen, nur sehen will ich ihn, ich will ihn in meine Arme nehmen und ganz still in seiner Nähe werden.
Doch wenn der Dunadan bei ihm ist, werden sie spöttisch lächeln und mein Blatt wird sich ihm zuwenden.Er ist leichtfertig , er kannte die Liebe nicht, die er mich lehren wollte, er wird sie niemals kennen.Nichts anderes  hat er getan, als mich zerstört, denn ich bin nicht mehr der Haldir, der ich war.
Langsam erhebe ich mich, um aufzubrechen und ich klammere mich an eine winzige Hoffnung.
Auch diese Hoffnung ist trügerisch, an der Seite  des Sohnes Arathorns hat er Bruchtal  schon vor Tagen verlassen.Elrond sendet das Elbenheer, dessen Heerführer ich bin, nach Helms Klamm, um König Theoden zu Hilfe zu eilen.
Nach dem die  letzte Hoffnung, meinem Blatt zu begegnen, zunichte gemacht worden ist, überkommt mich eine grosse Ruhe und Gelassenheit.Es wird  zu einem harten Gefecht kommen und Elben können im Kampf erschlagen werden, doch dieses jagt mir keine Angst ein.
Die grauen Anfurten will ich allein nicht sehen, sie haben keinen Reiz mehr für mich.Ich brauche ohne Legolas nicht mehr alle Zeitalter dieser Welt. im Westen. Mir ist keine Furcht anzusehen  als ich in der Hornburg die Bogenschützen einteile und ihnen Mut zuspreche.
Nicht Mut ist es, der mich beseelt, nein, es ist die völlige Hoffnungslosigkeit, die mich nun in ihren Armen hält.
Nur einen Augenblick will ich Atem schöpfen, bevor der Kampf beginnt, nur ein Moment des Alleinseins sei mir geschenkt.
Ich sehe in die Nacht hinaus, in Kürze erwarten wir diejenigen, die uns, Menschen und Elben vernichten wollen, allein deshalb vernichten wollen , um dem  Bösen  auf dieser Erde zum Sieg zu verhelfen.
"Haldir, willst du mit mir die grauen Anfurten sehen?"Eine leise Stimme, lieblicher als der Gesang der Ainur vor Iluvatar klingt an mein Ohr. Narren mich meine Sinne?
Mein Blatt steht vor mir, ernst blicken seine Augen und doch ist es mir, als hätte ein wunderbarer Traum mich umfangen.
Leise entgegne ich, wie damals in jener Nacht, als ich ihn zum ersten Mal sah"Bist du wohl ein Ainur, der auf diese Welt gekommen ist?"
Er tritt einen Schritt auf mich zu, legt die Hände um mein Gesicht und lächelt, liebevoll wie zuvor als das Unheil noch nicht begann,doch in seinen Augen ist das Lächeln nicht zu sehen.
"Ja" ,sagt er ganz leise und zart.
Ich versinke in seinen hellen Augen, die wie Silber sind , keine Furcht , keinen Schrecken spüre ich, kein Feind kann mir etwas anhaben.Ich frage nicht nach Arathorns Sohn, er hat alle Bedeutung verloren, allein von Wichtigkeit ist Legolas.

Vorsichtig ziehe ich ihn in meine Arme.
"Hätte das Glück einen Namen, so lautete er L E G O L A S " sage ich, wie damals jeden Laut betonend. Er schüttelt lächelnd den Kopf.
" Hast du daran gedacht, dass er H A L D I R lauten könnte?" " Du kanntest meinen Namen?"
"Ich kannte ihn immer schon, von Anbeginn der Zeiten ."
Er legt seine Lippen auf die meinen und dieser Kuss hebt mich fort von dieser Erde.
"Legolas, kein Geschöpf Iluvatars wurde je so  innig geliebt, wie du"
Er lächelt nun schelmisch "Wieder irrst du, es gibt ein Geschöpf, das genau so geliebt wird,inniger noch.Kennst du seinen Namen nicht?"
"Bist du nur ein Traum, mein Blatt?" raune ich leise an seinem Ohr ,denn unwirklich erscheint mir diese Nacht, wie auch seine Gegenwart, vertraut und fremd zugleich.
Er liegt in meinen Armen, seine Hände streichen über meine Schultern."Ich bin kein Traum, ich bin bei dir, du spürst mich doch." Ich spüre seinen leichten Atem auf meinen Lippen, er ist kein Traumgebilde. Er ist die Wirklichkeit.
Wir sehen in die Nacht, doch noch  sind unsere Feinde nicht zu sehen, aber sie kommen, unsere geschärften Sinne erfassen es.
Ich lasse mich zu Boden sinken und mit mir sinkt mein grünes Blatt.
Sein Haar fällt über mein Gesicht und leise sage ich."Ich habe dich geschlagen, das ist niemals zu verzeihen."
Er sieht mich an, mit diesem Lächeln, das den Ernst in seinen Augen nicht auslöschen kann
"Es gibt nichts auf dieser Erde, dass nicht verziehen werden kann. Wir könnten nicht leben, wenn es keine Vergebung gäbe.Ich wäre sonst nicht bei dir und nun ist es so, als wäre es nie geschehen."
Ich vergrabe meine Hände in seinem Haar.
"Ist die Zeit  zu lieben nun vorbei, mein Blatt?"
Sein Kuss ist mehr das Einhauchen seines Atems.
"Nein, diese Zeit hat gerade erst begonnen."
"Und bist du dir sicher?Diese Nacht könnte unser Leben auslöschen,  wir werden die grauen Anfurten nicht sehen , es wird keinen neuen Morgen für uns geben.und die Zeit zu lieben ist dahin. "
Er   unterbricht mich,mit einem leichten Anflug von Ungeduld
"Oh doch, Haldir, es gibt einen neuen Morgen und ich weiss es, die Zeit zu lieben hat niemals ein Ende"
Mein Herz schlägt in schnellen Wirbeln
"Wenn der Krieg uns scheiden wird....."
"Es endet doch alles mit Frieden, und wenn wir getrennt werden, so finden wir uns wieder ,wo wir auch sein mögen."
Ich umschlinge ihn ,als wolle ich ihn niemals mehr freigeben und ich will es auch nicht.
In seinen Worten klingt Freude und Zuversicht und doch breitet sich in mir eine unbestimmte Angst aus.
"Fast bereitet es mir Furcht, dich so reden zu hören, Legolas."
Sanft sind seine Küsse auf meinen Lippen.
"Fürchte dich nicht Haldir. Ich bleibe bei dir, du wirst meine Hand spüren."
"Bleibst du immer an meiner Seite, mein Blatt?"
"Ich bleibe an deiner Seite, heute Nacht und immer, ich bin bei dir, auch wenn du mich nicht  mehr sehen kannst."
"Gehst du mit mir in die unsterblichen Lande?"
Fest ist unsere Umarmung, nichts Trennendes gibt es mehr zwischen ihm und mir.
Ich spüre, dieses ist das Glück, kein Schmerz kann mich noch erreichen, denn Legolas wird an meiner Seite sein.
"Ich werde mit dir in unseren Morgen gehen."
Er legt seine Lippen noch einmal auf die meinen ,noch einmal versinkt die Welt,er lächelt mir zu und unmerklich für mich, so wie er plötzlich an meiner Seite stand, so ist er verschwunden.
Unsere Feinde ziehen heran, ich rüste mich zum Kampf.
Sollte ich auch die Nacht nicht überleben, ich fürchte mich nicht .Mein Herz will vor Freude zerspringen, ich kann den Gesang der Ainur hören und in  diesem Gesang höre ich deutlich.
seine Stimme
Er ist an meiner Seite, denn Iluvatar  liess einen Ainur sacht wie ein Blatt von einem Baum zu Boden fallen.Er fiel  in mein Herz.
Ein leichter Wind erhebt sich und mit ihm weht etwas Winziges vor meine Füsse, ich bücke mich, um dieses Etwas aufzuheben und in meinen Händen liegt, voller Tau und wunderbar anzusehen,ein kleines grünes Blatt.

Vorsichtig berge ich das kleine grüne Blatt an meinem Herzen.Es wird bei mir sein im Kampf und mich beschützen.
Ist es nicht die Hand meines Legolas? Er versprach, bei mir zu sein. Durch dieses kleine Blatt ist er gegenwärtig.Ich spanne meinen Bogen, alle meine Sinne sind nun auf diese Schlacht gerichtet.
Aller Mut, alle Beherztheit scheinen umsonst, der Feind ist übermächtig.Wir kämpfen jetzt um das Tor der Hornburg und ich spüre einen harten Schlag an meiner Schulter.
Meine Sinne scheinen zu schwinden, aber ich bemerke doch, dass Aragorn bei mir kniet und mich in seinen Armen hält.
Brüsk stosse ich seine Hand von mir, ihn wollte ich als letztes auf dieser Erde nicht spüren.
Mich umgibt Dunkelheit, die einer strahlenden Helligkeit weicht.Ich sinke in diese Helligkeit hinein.
Lange schwebe ich im Licht,bis ich zu Boden sinke. Das Licht verdichtet sich, es erhält einen Körper, ein Gesicht, ich kann es nicht erkennen ,könnte es das Gesicht meines Ainur sein?,Die Stimme klingt vertraut, ich hörte sie vor langer Zeit."Haldir, wenn es keine Vergebung gäbe, könntest du nicht leben."
Ich richte mich auf."Wer du auch bist, sollte ich diesem Menschen vergeben, der mein ganzes Glück zerstört hat?" "Hast du nicht selbst dein Glück zerstören wollen? Und ist dir nicht vergeben worden? Du wirst noch viel mehr vergeben müssen,es wird dich schmerzen, aber lerne die Vergebung und kehre dann zurück."
Ich schlage die Augen auf,meine Schulter schmerzt unerträglich. Aragorn sitzt neben mir und wechselt den Verband. "Du bist  wieder bei uns, es sah schrecklich aus, ich glaubte, wir hätten dich verloren.Aber der Sieg ist unser, vielleicht hilft es dir, zu genesen."
"Würdest du gehen?Ich will dich nicht sehen" Ich habe vergessen, was das Licht mir sagte, ich spüre seine Liebe nicht mehr, ich spüre nur noch den Hass auf Aragorn.
Seine Antwort kommt schnell und seine Stimme ist eisig "Du sagst mir nicht , was ich zu tun habe, ich werde nicht gehen."
Ich hebe den Kopf "Wo ist Legolas, ich will ihn sehen, er sollte an meinem Lager sein, nicht du."
Mir scheint, ich sehe ein spöttisches Lächeln in seinen Augen."Weshalb sollte er das tun?"
Augenblicklich errege ich mich."Er hat mir vergeben, ich sah ihn und sprach mit ihm, bevor die Schlacht begann."
"Haldir, du sprichst im Fieber, Legolas ist,  seit wir hier eintrafen nicht von meiner Seite gewichen.Wie hätte er da mit dir sprechen können."
Vernichtet lasse ich mich zurücksinken."Geh und hole ihn." Aragorn zögert.
Meine Stimme klingt laut und befehlend."Hörst du nicht, was ich sage, wenn er den Weg an mein Lager nicht allein findet, dann hole ihn augenblicklich."
Als Aragorn den Raum verlässt, ziehe ich das kleine grüne Blatt von meinem Herzen, es trägt wie ich Spuren des Kampfes, es ist zerissen.
Ich höre die Schritte Aragorns und blicke auf.Legolas' leichter Schritt ist nicht wahrzunehmen.
Er bleibt an der Tür stehen und sieht mir nicht ins Gesicht.Es ist nicht der strahlende Ainur der vergangenen Nacht, es ist eher ein verwirrtes Kind, bleich und elend ist sein Gesicht .
Förmlich sagt er "Es erfreut mein Herz, dich am Leben zu sehen."
"Erfreut es dein Herz , Legolas? Bewegen dein Herz noch andere Dinge? Wolltest du mir vergeben?"
"Ich habe dir  bereits vergeben  ." Er fragt nicht, wie es mir erging ,sondern sieht zu Aragorn, welcher dicht bei ihm steht."Legolas, mein Blatt, " sage ich leise ,denn diese Begegnung geht über meine Kraft "sage mir doch was dich bewegt, bist du auch ganz unversehrt?" Bevor ich weitersprechen kann, beginnt er zu zittern und schaut mit bebenden Lippen wieder in Aragorns Gesicht.Dieser legt den Arm um die Schultern meines Blattes "Es genügt," sagt er zu Legolas und zieht ihn mit sich, zur Tür hinaus.
Legolas' helle Augen suchen  noch die meinen, ich kann den Blick nicht deuten. Aragorn nimmt an meinem Lager wieder Platz.
"Du würdest dich schon bei deinen Vätern befinden, wäre ich nicht an dieses Lager gefesselt."
Diese Worte spreche  ich in  vollem Ernst, denn Aragorn will und kann ich nicht vergeben.
"Du bist an dieses Lager gefesselt, deshalb schreckt mich deine Drohung nicht.Und vergiss es nicht,du wirst Legolas nicht wieder sehen, solltest du mich weiterhin bedrohen .Seine Gegenwart ist für deine Genesung unerlässlich, habe ich recht?"
Knirschend vor Zorn winde  ich mich auf meinem Lager. Er spricht durchaus im Recht und er befreit mich nicht von seiner Gegenwart. Heftige Fieberschauer schütteln mich und ich sehne mich nach dem Licht, nach dem strahlenden Ainur mit den Silberaugen und der liebevollen Stimme, aber ich sehe nur Aragorn kühle spöttische Augen, und sehe ich ihn nicht, dann sind es die stumpfen Augen eines abgekämpften Kriegers.
Die nächste Nacht sieht mich ohne Fieber, ich höre in der Dunkelheit einen leisen Atem. Mein Blatt sitzt neben mir und sieht mich mit seinen hellen Augen an.
Freude will mein Herz überfluten, aber trotzdem kommen rauhe Worte über meine Lippen.
"Gestattet Aragorn dir, an meinem Lager zu sein?" Er seufzt leise.
"Aragorn hat die Hornburg heute verlassen. Du bist fast genesen und kannst in Kürze heimkehren."
Spöttisch sage ich "Er hat die Hornburg  ohne dich verlassen?Wie kann das zugehen.?"
Trauer steht in seinen Augen, als er mich wieder ansieht, ohne sein liebliches Lächeln.
"Ich werde ihm im ersten Licht des Tages folgen." Zorn will mich übermannen , aber doch auch Mitleid und Liebe , als ich in sein schönes Gesicht sehe, das jetzt so bleich und traurig ist.
"Folge ihm nicht, mein kleines Blatt, bleib bei mir, du hast es mir versprochen"
Er sieht an mir vorbei, eine tiefe Röte breitet sich auf seinen schmalen Wangen aus.
Ganz leise , fast unhörbar flüstert er "Ich bin nicht mehr dein Blatt, ich bin nicht mehr so, wie du mich erkanntest."
Blitze zucken vor meinen Augen, ich stöhne auf.Morgoths Kreaturen könnten mich nicht stärker peinigen, als diese Worte. Aragorn und mein Blatt, meine schlimmsten Ahnungen werden wahr ,nein, ich ahnte es von ersten Augenblick an, jetzt habe ich Gewissheit und Legolas hat den Schlag ins Gesicht verdient.
Meine Stimme klingt leise  und drohend,als ich ihm zur Antwort gebe.
"Ja tu es, folge ihm.Aber trittst du mir noch einmal unter die Augen, so werde ich dich töten, dass schwöre ich bei den Valar.Und jetzt geh,"schreie ich.Ich nehme das kleine grüne Blatt, welches neben meinem Lager lag und werfe es auf den Boden.

Ich sammle mein Heer, denn wir werden nicht nach Lothlorien zurückkehren, sondern wir werden im Ringkrieg, dem letzten Krieg in Mittelerde, weiterkämpfen.
Während wir marschieren, kreisen meine Gedanken. Meine Schulter schmerzt, manchmal taumele ich, aber ich gestatte mir nicht auch nur einen Augenblick meiner Schwäche nachzugeben.
Auch im Inneren gebe ich nicht nach, denn ich muss stark sein, will ich nicht zugrunde gehen. Doch kann ich es nicht verhindern, das mein Denken nur einen Punkt berührt, einen einzigen.
Wann geschah es, wann zum ersten Mal. Er hat mein Blatt überwältigt, er hat Legolas gezwungen, ihm zu Willen zu sein.So musste es gewesen sein, denn mein Blatt war unschuldig, er konnte solches nicht tun.

Aragorns kühle Augen mustern mich."Haldir, du weisst, dass es nicht so war.Du weisst, das er es ganz freiwillig tat. Er wird jetzt bei mir bleiben, er tut alles, was ich ihm gebiete ."
Unwillig wende ich mich ab, ich will diese Stimme nicht hören, aber unaufhörlich flüstert sie, sie bringt mich um den Verstand.
Im Inneren wiederholt die Stimme ." Er ist nicht unschuldig, er kam zu mir, ohne nur einmal an dich zu denken, Haldir."
Meine Hände balle ich zu Fäusten, mein Ainur, mein Valar, wie konnte er mir solches antun.
Ich habe geschworen, ihn zu töten und ich werde meinen Schwur halten, niemals habe ich einen Eid gebrochen.
Ein weiteres Elbenheer auf dem Weg zu den Schlachtfeldern auf den Pellenor Feldern, denn das ist unser Ziel, kreuzt unseren Weg. Der Heerführer ist Elronds Sohn. Elrohir. Freudig begrüsst er mich, dann mustert er mich besorgt."Es  ergeht dir übel Haldir, ich hörte, du seist verwundet, aber auch ein Kummer scheint dich zu bewegen, ein grosser Kummer, denn nie sah man dir solchen an, nun aber ist er deutlich in dein Gesicht geschrieben."
Ich kann mich nicht bezwingen, ich muss die Frage stellen."Elrohir, im Hause deines Vaters, vor einiger Zeit, kehrte da nicht Aragorn, Arathorns Sohn ein?" Sein Gesicht verfinstert sich. "Gewiss, weshalb stellst du mir diese Frage?"
"Und war bei ihm Legolas aus dem Waldlandreich?"War sein Gesicht vorher finster, so ist es jetzt vor Zorn verzerrt."Nenne den Namen dieses Verfluchten nicht."
Ich kann nicht an mich halten und gebe ebenfalls voller Zorn zurück" Nenne Legolas nicht einen Verfluchten, denn sonst wirst du die Hallen Mandos' eher sehen, als dir lieb ist"
Erstaunt mustert er mich , dann gleitet ein  verstehendes Lächeln über sein Gesicht, aber es ist verbittert und freudlos."Auch du , Haldir?Nun, es erstaunt  mich nicht, ich habe es bei ihm nicht anders erwartet, nur , wie ist es möglich, dass der oberste Wächter des Elbentums auf Erden seinen Stolz so verlor?"
"Elrohir, sag mir , was im Hause deines Vaters vorfiel."
"Ich will dir nur soviel sagen, ich hätte ihn getötet, hätte mein Vater es mir nicht untersagt."
Ich trete einen Schritt zurück, "Du hättest ihn.......?Welches Recht hast du ?"
"Sind die ungestillten Tränen meiner Schwester nicht Recht genug?Sehe ich ihn auf meinem Weg, werde ich es tun, denn hier gilt das Verbot meines Vaters nicht.""So musst du auch Aragorn töten."
"Aragorn wird mein König sein, ich bin sein Bannerträger, ich kann ihn nicht töten."
Ich wende mich ab und sehe in die Nacht, also nur Legolas und Legolas allein soll für alles Üble  einstehen, so denkt Elrohir und ich denke ebenso
"Das Heer König Theodens lagert hier ganz in der Nähe, dort sind sie beide zu finden. Du wirst es mir danken, Haldir, wenn ich diese kleine Viper vernichte."
Nein, Elrohir soll Legolas nicht töten, das Recht kommt mir und nur mir allein zu.Bevor Elrohir ihn findet, will ich es selbst tun.
Des Nachts erkunde ich die Umgebung, ich bin allein,  und ich entferne mich immer weiter von meinem Heer, völlig lautlos und schnell bewege ich mich.König Theodens Heer ist weithin zu bemerken, Feuer flackern  ,doch niemand sieht mich.Vorsichtig nähere ich einem der Feuer, der Wächter bemerkt mich nicht.Ich mustere das Heer, ich bin bereit, selbst durch die Mannen König Theodens zu schleichen, denn ich will ihn finden.
Meine scharfen Sinne vernehmen ein leises Geräusch, Menschen könnten es nicht vernehmen, ich schnelle herum ,Legolas steht hinter mir, allein, niemand ist bei ihm. Er trägt keinen Bogen, keinen Dolch.
" Haldir," sagt er leise, "ich wusste ,dass du in der Nähe bist bist." Ich starre ihn nur stumm an.
"Wenn du es willst, tue es gleich ,ich werde mich nicht wehren." Er sieht  mit seinen hellen Augen, die ihren Glanz verloren haben in die meinen und in seinem Gesicht ist ein merkwürdiger Ausdruck zu sehen, Furcht ist nicht in ihm zu lesen.

Ich hebe meine Dolch, immerfort sehe ich in seine hellen Augen ,sie peinigen mich, ich lasse den Dolch wieder sinken, er rührt sich nicht,  er sieht mich an, schnell hebe ich den Dolch wieder , doch bevor ich ihn treffe , fällt meine Hand mit der Waffe herab.. Ich kann es nicht tun, nicht so, ich kann ihn nicht töten , wenn er sich nicht zur Wehr setzt.Ein Schrei entfährt mir "Wehre dich, steh nicht so bewegungslos, wehre dich."
"Wolltest du mich im Kampf töten, Haldir? Es ist nicht notwendig." fragt er leise."Stosse zu, ich wäre  dir dankbar."
"Du wärst mir dankbar?"
Ich muss mit meiner Fassung ringen. Er legt die Hände auf meine Schultern. " Tu es, Haldir, fürchte dich nicht."Zornig stosse ich seine Hände fort, er senkt den Kopf, seine Haare fallen über sein Gesicht und machen es für mich unsichtbar."Weisst du auch, dass nicht nur ich dich töten will?""Ich weiss es, Haldir" sagt er und seine Stimme klingt ohne Trost.Ich versuche , ihm in die Augen zu sehen, es ist vergeblich. Meine Stimme klingt scharf."Hat es dir Freude bereitet, allen Elben oder Menschen deine Liebe zu Aragorn zu verkünden?"Entsetzt sieht er mich an, er stammelt "Ich habe nicht..., Aragorn wollte......." "So, Aragorn wollte es, und du hast dich so weit vergessen, dass alle ,denen du begegnest , dir nicht die Hand reichen würden."
Ich selbst würde ihm nicht die Hand reichen, diesem ehrlosen Wesen, mir kommt nicht in den Sinn, dass ich meine Ehre mit Freuden hingegeben hätte, wäre die Liebe zu mir von ihm aller Welt verkündet worden.Ich hebe den Dolch wieder."Legolas, ich wünsche deinem Geist Frieden, denn du wirst in Mandos' Hallen eingehen." Er lässt sich langsam auf die Knie sinken und immerfort sieht er mich mit seinen hellen Augen an."Bitte, Haldir, stosse zu."Leise ist seine Stimme, Tränen stehen in seinen Augen.
Ich werfe den Dolch neben mich auf den Boden. Auch ich lasse mich auf meine Knie nieder und hebe vorsichtig sein Kinn und zwinge ihn, mir in die Augen zusehen."Ich kann dich nicht töten, Legolas ,aber mein Fluch wird dich begleiten."
Seine Lippen beben "Ich habe Schreckliches getan und ich verdiene deinen Zorn."
Sein Gesicht ist bleich und elend, seine Tränen fliessen lautlos.Ich fühle, dass mein Zorn schmilzt und ich kann ihm nicht grollen.Meine Liebe zu ihm ist grösser als meine Ehre, sie ist tief in meinem Herzen und ich will ihm vergeben.Vorsichtig berühre ich seine Lippen."Mein Blatt,  keine Tränen. Bitte, weine nicht, es zerreisst mein Herz." In mir erhebt sich der Gedanke, dass ich zum ersten Male eidbrüchig werde, eidbrüchig vor mir selbst, aber ich kann Legolas  nicht töten, und ich kann  ihm keinen anderen Namen geben, als "mein kleines grünes Blatt."
Sein Kopf liegt nun an meiner Schulter und seine Arme schliessen sich um mich. Er bebt am ganzen Körper. " Legolas, mein Blatt" beginne ich, aber er unterbricht mich. "Weshalb gibst du mir diesen Namen noch?"
"Du bist es doch, ich kann nicht anders an dich denken." Wieder liegen meine Lippen auf den seinen und ich spüre eine Seligkeit ohne Grenzen, er erwidert meinen Kuss.
Ich umfasse sein Gesicht , als er sich aus dem Kuss löst und zurücktreten will. "Nein . mein Blatt, ich lasse dich jetzt nicht von mir,sage mir was geschehen ist." Er verbirgt sein Gesicht wieder an meiner Schulter. "Du wirst zornig sein, ich kann es nicht sagen, ich bitte dich."
Liebevoll streichen meine Hände über sein Haar."Du bist doch ein Zauberer, ein Valar bist du, du hast erreicht, dass ich nicht zornig auf dich sein kann." Er lächelt, obgleich noch Tränen in seinen Augen stehen. "Wie kann dieses nur geschehen, Haldir ist nicht zornig auf mich? Weit weniger habe ich getan , als du......" er stockt.Mit grosser Ruhe vollende  ich "Als ich dich schlug.Mein Blatt, du bist kostbarer als alles, was auf dieser Erde an Schätzen sein mag. "
Neue Tränen treten in seine Augen und er wendet sich ab."Es  wäre besser für mich gewesen, deinen Dolch zu spüren, als deine liebvollen Worte, denn ich habe sie nicht verdient."
"Legolas, es gibt keinen Verdienst , ich sage diese Worte, weil ich dich liebe."
Er will etwas erwidern, zuckt aber zusammen. Unsere Sinne sagen uns, dass wir nicht allein sind. Ich lausche in die Dunkelheit und Legolas Gesicht verändert sich. Ich ziehe ihn wieder in meine Arme, doch er wehrt mich ab."Es nähert sich jemand, geh Haldir, ."
Ich sehe , wer sich uns genähert hat. Aragorn steht wenige Schritte von uns entfernt.
Scharf und befehlend klingt seine Stimme "Legolas, komm zu mir."
Diese wenigen Worte genügen, mein Blatt löst sich von mir. Er tritt auf Aragorn zu und sieht nur ihn an, er sieht nicht zu mir zurück.Ich glaube , ein Messer in meinem Herzen zu spüren. Aragorn legt den Arm um die Schultern meines Blattes.Mit seiner kühlen und spöttischen Stimme sagt er leise.
"Du siehst es doch,Haldir, er gehört mir.Glaubtest du mir nicht?Bist du gekommen, weil du ohne seine Gegenwart nicht  leben kannst?"
" Ich werde dich zu deinen Vätern senden, verlass dich darauf." knirsche ich. Wieder lächelt er.
Er dreht Legolas zu mir und befiehlt ihm." Sage Haldir , dass du mir gehörst.  Sag es ihm, denn Haldir ist ungläubig." Legolas blickt mir in die Augen, die Hände Aragorns liegen auf seinen Schultern."Es tut mir so unendlich leid, Haldir," "Sage Haldir, dass du mich nicht verlässt."
Aragorn  sieht zu mir, während er diese Worte spricht, gehorsam antwortet Legolas.  Seine Stimme klingt leise, monoton und seine Augen haben jedes Leben verloren " Ich werde Aragorn  nicht verlassen, ich bleibe bei ihm."
Aragorn schliesst ihn in die Arme und legt seine Lippen auf die meines Blattes.Dann wendet er sich wieder zu mir. "Sieh hin, Haldir, sieh genau hin." Wieder nimmt er mein Blatt in die Arme und küsst seine Lippen, und Legolas lässt es geschehen.
Verzweifelt klingt mein Schrei. " Legolas, komm mit mir, Wir werden in unseren zauberhaften Wäldern leben, wir  miteinander, nur komm mit mir"
Legolas sieht mich an, Trauer ist in seinen Augen, aber er lösst sich nicht aus den Armen Aragorns.
" Es ist die Zeit nicht mehr , um zu lieben, Haldir, es ist vorbei.Ich kann nicht mehr mit dir gehen.."
 Aragorn und Legolas wenden sich zum Gehen . und ich, nicht fähig mich zu bewegen oder mich mit dem Dolch auf sie zu stürzen, bleibe in der Dunkelheit zurück.

Meine Erstarrung löst sich und lautlos folge ich ihnen,  gedeckt durch am Wege stehende Bäume.
Aragorn lässt keine Vorsicht walten, obgleich er mich ja noch in der Nähe weiss, so sicher ist er in allen seinen Taten.Glaubte er, mich jetzt vernichtet zu haben, so dass ich nicht mehr fähig bin, ihnen ihren Lohn zu geben?
König Theodens Mannen haben sich noch nicht zur Ruhe gelegt, und Aragorn wechselt einige Worte mit dem König.Legolas steht einige Schritte entfernt,   niemand gönnt ihm Ansprache oder Gruss. Schweigend , wie ein schlanker, junger Baum steht er allein in der Dunkelheit, mein Herz verkrampft sich vor Schmerz, als ich ihn so sehe.Er scheint in die Dunkelheit zu lauschen, spürt er meine Nähe und fürchtet er sie? Der König wendet sich zu seinem Lager und Aragorn befiehlt Legolas zu sich. Ich kann seine Worte nicht verstehen, aber ich sehe seine gebieterische Geste.
Legolas tritt folgsam auf ihn zu und Aragorn nimmt ihn in seine Arme und lässt sich mit ihm zu Boden gleiten.Er streift meinem Blatt die Kleidung vom Körper,Legolas' helles Haar ist wie ein seidiges Tuch auf die Erde gebreitet , ich schlage die Hände vor mein Gesicht und lasse mich lautlos ins Dunkel gleiten.
Vor meinen Augen wogen rote Nebel, meine Hände krümmen sich zu Klauen, Mordlust erwacht in mir, keine gerechte Entrüstung stelle ich voran, wie ich sie verspürte, nein, ich will töten, Aragorn soll in die Hallen seiner Väter eingehen, er darf nicht am Leben bleiben, und Legolas will sich nicht von ihm lösen, also soll er mit ihm gehen.Doch ich kann mich nicht mit meinem Dolch auf sie stürzen, denn die Mannen Theodens, welche noch in der Nähe sind, würden mich sofort überwältigen.
Ich war bereit meinem Blatt zu vergeben, aber er hat diese Vergebung mit Füssen getreten, er hat mit seinen Tränen und seinem Lächeln erreicht, dass ich ihn am Leben liess.und er war bereit, mehr dafür zu geben Er hätte auch sich selbst gegeben ohne nur den Funken eines Gefühls . Er ist falsch, gefühllos, eine kleine Viper, wie Elrohir ihn zu Recht nannte.Aber sollte er mich noch einmal umgarnen, wird  Elrohir ihm seinen Weg weisen, er wird ihm nicht sein Leben lassen.
Aragorn wird mein sein,denn der Bannerträger des künftigen Königs von Gondor kann seinen Herrn nicht töten, ich werde es können , denn ich bin ihm nicht zur Treue verpflichtet.
Darf ich den König töten? Zweifel überkommen mich, was erwartet die Menschheit von ihrem König?
Ein Leben in einer besseren Zeit erwartet sie mit ihrem König und soll ich auch ihre Erwartungen zu nichte machen? Die Zweifel peinigen mich, was soll ich  tun?
Ich sehe Legolas ' bleiches Gesicht vor mir, ich höre seine Stimme " Stosse zu,ich wäre dir dankbar." Ist er dankbar, wenn ich ihm das Leben nehmen will? Weshalb ist er des Lebens überdrüssig, denn er müsste glücklich sein.
Ist dieses das Glück? Kann er glücklich sein, wenn er niemals sich seinen Träumen und Erinnerungen hingeben kann, denn Aragorn lässt ihn nicht von seiner Seite.Kann er glücklich sein, wenn jeder sich verächtlich von ihm abwendet, denn sie lieben sich vor aller Augen. Niemand verachtet Aragorn,  er wird mächtig sein, Legolas hat keine Macht, deshalb trifft ihn die Verachtung der Menschen und Elben allein.
Kann er glücklich sein, wenn er den Befehlen Aragorns folgt, ohne eine Spur des eigenen Willens?
Weshalb nur hat er keinen Willen, weshalb nur gibt er ihm in allen Dingen nach?
Kann es möglich sein, dass er keine Liebe empfindet?Er sagte, "Es ist die Zeit nicht mehr, um zu lieben"Vielleicht, eine winzige Hoffnung keimt in mir, vielleicht ist die Erinnerung an mich sein Glück
.Ich muss  noch einen langen Weg gehen, um Legolas völlig zu verzeihen,aber ich werde Aragorn niemals vergeben, niemals, sollten mich auch alle Unwesen Morgoths verschlingen. Den Weg zu meinem Heer trete ich an, denn ich will im Morgengrauen bei ihm sein. Wir werden uns mit König Theodens Heer vereinigen, und ich werde in der Nähe meines Blattes sein,er ist doch mein Blatt für immer .
Seite an Seite wird er mit Aragorn kämpfen, doch in mir setzt sich der Gedanke fest, er brennt wie Feuer in mir , was wäre, wenn er im Kampf fiele? Was geschähe, wenn er sich freiwillig einem Lanzenstoss aussetzte , einem Orkpfeil ? Er hatte gesagt. " Stosse zu,ich wäre dir dankbar?" Dieses peinigt mich unaufhörlich und es läst mich nicht zu Atem kommen.Wie siedendes Pech überkommt mich ein anderer  ,noch weit schrecklicherer Gedanke.
Was geschähe, wenn Aragorn der  Liebe Legolas' überdrüssig wird, wenn er ihn nicht mehr in seiner Nähe dulden will, oder wenn er es nicht kann, wird er sich seiner nicht entledigen?Wie wird es geschehen? Denn, ich bin mir auf einmal sicher, es wird geschehen.Ich schnelle voran, als wären alle Undinge diesr Welt hinter mir, denn ich will mein Heer erreichen, so dass wir uns in Kürze mit dem Heere Theodens vereinigen, ich will in der Nähe meines Blattes sein. Kann ich ihn vor allem Bösen bewahren?

Der Weg ist zurück ist länger , als ich es dachte und so steht die Sonne schon hoch am Firmament, als ich mein Heer zu Gesicht bekomme.
Elrohir erwartet mich und neben ihm steht Elladan, sein Bruder, denn auch er wird des Königs von Gondor Bannerträger sein.Elrohir sieht mich mit wissendem Lächeln an, denn er ahnt, nein er weiss, wo ich die letzte Nacht verbrachte,er weiss, dass ich selbst mit dem Dolch mein Blatt niederstechen wollte.
"Hast du es vollbracht, Haldir?" fragt er .
Ich wende mich ab und antworte ihm nicht.Mit einem schnellen Schritt ist er bei mir und legt fest die Hand auf meine Schulter. " Sage mir , Haldir, ist er noch am Leben? Wie kann das angehen? Ist der grosse Haldir ein Feigling?Wie kannst du diese Schlange am Leben lassen, ?""Hüte deine Zunge, Elrohir, nenne Legolas nicht eine  Schlange, noch eine Viper, denn sonst trift mein Dolch dich." entgegne ich, denn meine Lust zu töten ist noch nicht erloschen.
Sein Erstaunen ist grenzenlos, als er meine Antwort vernimmt.
Ich spüre, dass mein Zorn sich mindert, denn ich denke an mein Blatt, als er in Aragorns Armen lag, er liess alles über sich ergehen, er erwiderte die Liebkosungen Aragorns nicht, ich weiss es nun ganz gewiss."Du wirst Legolas nicht das Leben nehmen, denn dazu hast du kein Recht."
Erregt antwortet  Elrohir "Er hat die Ehre meiner Schwester verletzt, denn er trieb mit ihrem künftigen Gemahl vor aller Augen Unzucht.Du weisst es selbst, Haldir, denn auch du wolltest ihn töten."
Ich seh ihm in die blitzenden Augen und gebe zurück
"Die verletzte Ehre deiner Schwester ist nicht, was dich so in Zorn bringt, es ist der Neid, der aus dir spricht, denn es wäre dir lieber gewesen, er hätte vor aller Augen mit dir Unzucht getrieben."Elrohir schnellt auf mich zu, den Dolch in der Hand
"Das wirst du mir bezahlen Haldir, du und dieser Verfluchte."Elladan, besonnen und ruhig stellt sich zwischen uns.
"Saruman wäre hocherfreut, wenn er sähe, dass wir uns gegenseitig zerfleischen, bevor der Kampf gegen ihn beginnt. Haldir, hüte deine Zunge und Elrohir, zügle deinen Dolch"
Elrohir wirft mir einen Blick voller Hass zu als wir unsrere Heere in Bewegung setzen lassen, aber wir hüten unsere Zunge und unsere Waffen.
Unaufhörlich denke ich an mein  Blatt, Elrohirs Zorn ist mir gleichgültig, nichts anderes ist in meinen Gedanken,als,mögen die Valar ihren kleinen Bruder am Leben lassen.
Am Abend vereinigen sich die Elbenheere und das Heer König Theodens .
Legolas sehe ich nicht, mein Herz verlangt nach seinem Anblick ,aber ich bin genötig, mit Theoden, Aragorn und den Söhnen Elronds am Feuer Platz zu nehmen.Ich weiss, ich habe mir Elrohir zum Feind gemacht, er kann mir sehr schaden , mir und meinem Blatt.
Wir werden in unsere Zelte geleitet , doch ich bedarf der Ruhe nicht, mein ganzes Bestreben geht einzig und allein darauf, mein grünes Blatt zu sehen.Doch statt seiner sehe ich Aragorn.
" Du wolltest mit mir plaudern, Haldir? Setze dich an meine Seite." Es widerstrebt mir aber ich  setze mich zu ihm,denn er ist die einzige Verbindung zu Legolas.
" Was hat der künftige König von Gondor mir zu sagen?" Seine Stimme ist voller Spott, als er mir antwortet." Ich weiss, du willst Legolas sehen, der die Sehnsucht deines Lebens ist, aber du wirst ihn nicht zu Gesicht bekommen, ich will dir nur  vergebliche Bemühungen ersparen."
Augenblicklich errege ich mich.
" Das wirst du nicht zu bestimmen haben, Aragorn, wenn Legolas meiner bedarf, werde ich an seiner Seite sein.Des kannst Du gewiss sein, König von Gondor, ich werde ihn sehen, wenn er es will."
Aragorn lacht leise.
"Er wird es nicht wollen, Haldir, und das weisst du.Denn ich sage, was sein Wollen ist."
Er spricht recht, denn ich habe in die leblosen Augen Legolas' gesehen.
Ich verlege mich aufs Bitten, es fällt mir ungeheuer schwer, denn nie habe ich gebeten und nun bitte ich für mein Blatt.
"Lass ihn von dir, Aragorn, denn er wird nicht bei dir sein können, wenn die letzte Schlacht geschlagen sein wird. Lass ihn gehen."
Die kühlen Augen mustern mich, ein Lächeln gleitet über sein Gesicht.
"Ich lasse ihn niemals gehen, Haldir, denn er ist erregend und schön, und das weisst du  wie ich nicht wahr Haldir?.Sollte ich  diese seine Dienste nicht mehr benötigen,glaubst du denn, ich überlasse ihn dir? Er wird bei niemanden sein."
Mit einem heiseren Schrei fahre ich in die Höhe. "Willst du ihm ein Leid antun?"
Er lächelt immer noch
"Nein, ich werde ihm kein Leid antun,  wie kannst du solches nur denken. Denn wenn ich es ihm gebiete, stürzt er sich in mein Schwert."

Jetzt bin ich vernichtet, völlige Verzeiflung umgibt mich. Meine Bogenschützen sind für den Ausgang der Schlachten, die wir noch vor uns haben ,unerlässlich, deshalb droht mir im Augenblick von Elrohir keine Gefahr und auch Legolas wird er nicht töten, solange Aragorn seine Hand über ihm hält.Doch wie lange noch wird das sein?
Einmal sehe ich Legolas , er reitet neben Aragorn und seine helles Haar weht wie eine Fahne im Wind, wie es war. als wir zusammen ritten, nur kehrt er nicht an meine Seite zurück. Seine Silberaugen sehen für einen Augenblick in die meinen, mir scheint, als kehre das Leben in sie zurück. Doch dann ist dieser Augenblick vorüber und die letzte Schlacht beginnt.
Die Valar wollen ihren Bruder am Leben lassen, denn kein Pfeil trifft ihn, die Lanzen finden den Weg nicht zu seinem Herzen. Doch zu welchem Leben bewahren sie ihn? Zu einem Leben der Qual und des Entsetzens, ich weiss , das es so ist. Wäre es nicht besser , er stürbe an einem Pfeil der Orks?
Mit Schaudern weise ich diesen Gedanken von mir, mein Blatt soll leben, an meiner Seite, doch weiss ich nicht, wie dieses möglich ist. Wann wird Aragorn seiner überdrüssig? Ich spüre es, der Augenblick ist nicht mehr fern .
Die letzte Schlacht ist geschlagen, Saurons Macht ist dahin.In dem unbeschreiblichen Siegesjubel gibt es wohl nur zwei Wesen, die unglücklich sind, ich kann keine Freude empfinden, und mein kleines Blatt?Wie mag er fühlen, denn Aragorn wird sich mit der Tochter Elronds vermählen und alle meine Sinne sind darauf gerichtet, es wird etwas geschehen, morgen schon, wenn wir nach MinasThirit reiten, nein heute, heute Nacht schon.
Voller Unruhe erkunde ich das Lager, die Wachsamkeit hat nachgelassen, die Kampfgefährten sitzen und stehen beieinander, Lachen und freudige Stimmen dringen an mein Ohr.
Abseits vom Lager in der Dunkelheit erblicke ich eine Gestalt, langes helles Haar, ein  so schmales und bleiches Gesicht, es ist mein Blatt und bei ihm steht Aragorn, ich verberge mich in ihrer Nähe, meine scharfen Ohren vernehmen jedes Wort.Der jetzige König streicht Legolas über das Haar, er liebkost seine Lippen.
" Legolas, ich will dich bei mir behalten, aber ich kann es nicht, du weisst, was es für dich bedeutet?"
Legolas sieht nicht auf, als er leise erwidert"Haldir wird mir verzeihen, ich werde zu ihm gehen."
Aragorn hebt das Kinn meines Blattes an, sieht ihm in die Augen.
"Haldir will nicht , dass du zu ihm kommst, er hat es mir selbst gesagt. Niemand will oder braucht dich mehr auf dieser Welt , für niemanden bist du noch von Bedeutung und das weisst du, Legolas." Mein Blatt sieht ihn stumm an, er hat keine Worte mehr.Aragorn zieht seinen Dolch und Legolas zuckt zurück. Der König küsst  ihn wieder, auf die Stirn, auf die Augen."Fürchte dich nicht, Legolas ich werde dich nicht töten. Du wirst es selbst tun, nicht wahr?. Ist es nicht besser für dich wenn du gehst, freiwillig?
Haldir hasst dich, denn du hast ihm übel mitgespielt, jeder Mensch oder Elb verachtet dich , denn du bist ein ehrloses Wesen, da du dich vergessen hast  .."
Aragorn legt den Dolch in Legolas' Hände. " Nimm ihn, Legolas, tu es, tu es selbst. Du weisst es, nur dann kannst du zum Glück kommen."
Legolas nimmt den Dolch und sieht Aragorn verzweifelt an.
Aragorn legt die Lippen auf die Stirn meines Blattes. Seine Stimme klingt fast liebevoll " Lasse alle Angst und Zweifel von dir, Legolas, es ist nur ein kurzer Moment, nur ein winziger Augenblick und du wirst von allem befreit sein."
Legolas sieht Aragorn wieder an, in seinen Augen ist kein Ausdruck mehr.
Wieder sieht er auf den Dolch in seiner Hand.Sanft ist Aragorns Stimme,"Legolas, jetzt ist die Zeit gekommen, tu es, tu es jetzt."
Mit einem Seufzer nimmt Legolas den Dolch und kehrt ihn gegen seine Brust.
Aragorn umarmt ihn und tritt zurück." Stoss zu , Legolas"
Langsam, unendlich langsam hebt Legolas den Dolch, war sein Gesicht vorher von Angst geprägt , so ist jetzt nichts mehr darin zu lesen..
Aragorn sieht ihn lächelnd an und ich schnelle wie ein Blitz aus meinem Versteck hervor und jage Aragorn mein Messer in die Brust.

Ich entreisse Legolas den Dolch , greife in sein Haar und ziehe ihn mit mir, zu den Pferden.Nie im Leben handelte ich so schnell.
Ich schwinge mich auf eines der Rösser, es ist Aragorns Pferd, doch es ist mir gleich, ich ziehe Legolas vor mich und ich jage  wie der Wind aus dem Lager, denn die Mannen Aragorns eilen schon zu ihm.Legolas sinkt in meinen Armen zusammen, ich fürchte fast, er atmet nicht mehr, aber er ist nur ohne seine Sinne.Laufend sehe ich zurück, sind die Verfolger schon hinter uns?
Denn sie werden uns verfolgen, der Tod des Königs kann nicht ungerächt bleiben.
Ich treibe das Tier an, wir stürmen dahin. Im Morgengrauen bricht das Ross unter uns zusammen, es verendet vor meinen Augen. Verzweiflung überkommt mich, denn ich weiss nicht, was ich tun soll..Legolas hat das Bewusstsein noch nicht wiedererlangt , ich sehe nun, dass ich rasten muss. Doch der Verstecke sind nicht viele hier auf diese Ebene und so verberge ich uns , so gut es angehen mag im hohen Gras.
Lange sitze ich und schaue meinem Blatt ins Gesicht, es ist bleich, wie der Tod und sieht so bedrückt aus, dass mir Tränen über die Wangen laufen.Als er schliesslich die Augen aufschlägt, sieht er mich nicht.
Ich will ihm über die Wangen streichen, bei meiner Berührung beginnt er zu zittern, er versucht sich zu befreien.
Liebevoll sage ich, "Mein kleines Blatt, sei ganz ruhig, es ist doch alles vorbei."Er wirft sich auf die Seite und  duldet meine Berührungen nicht.
Eine grosse Traurigkeit breitet sich in mir aus.Ist Aragorns Wille noch immer in Legolas?
Wie kann ich ihn nur davon befreien?
Des Nachts stösst er furchtbare Schreie aus, ich nehme ihn trotz seines Widerstrebens in die Arme
und streiche über sein Gesicht, sein Haar, seinen Hals. Ich bedecke sein Gesicht mit sanften Küssen, bis er ruhiger wird.Seine Tränen rinnen auch über mein Gesicht, sanft nehme ich sie mit meinem Lippen aus seinen Augen "Vergibst du mir , Haldir?"
"Ich habe es bereits getan, mein kleines Blatt, es ist alles gut." Seine Lippen beben auf den meinen. Was haben wir , Aragorn und ich nur meinem Blatt angetan, ich mit meiner übermässigen Liebe und Eifersucht, und Aragorn? Was tat er ihm?
Ich will es nicht bedenken, es scheint mir zu entsetzlich Ich nehme ihn in die Arme und er sucht wieder meine Lippen, wie ein Kind, welches Trost nötig hat und ich erwidere seine Küsse.
Es ist  mir in diesem Augenblick bewusst, es ist nicht das Begehren allein, welches mich zu ihm drängen lässt, sondern es ist die Liebe, so tief, wie ich sie bisher nicht verspürte.
Ich will ihn nicht bedrängen, er soll frei sein, aber er wirft sich mit einer Leidenschaft in meine Arme, wie ich sie bisher an ihm nicht kannte und es ist ,als liebten wir uns zum ersten Mal.Auch seine Liebe hat sich verändert, denn er fürchtet mich nicht mehr, er will sich nicht mehr von mir trennen.
" Mein Blatt," sage ich leise, "wir werden die grauen Anfurten niemals sehen, gejagt werden wir sein, in dieser Welt. Die unsterblichen Lande sind mir verwehrt .Ich habe den König von Gondor getötet und die Herrin und der Herr werden mich auch nicht mehr nach Lothlorien zurückkehren lassen." Er sieht mir mit seinen silbernen Augen ins Gesicht. "Der der Balrock von Morgoth möge  den Geist des Königs von Gondor verschlingen." Hart klingen diese Worte von den süssen Lippen, aber die Worte , die er darauf spricht erfüllen mich mit tiefer Seligkeit.
" Ich werde dein Los teilen, Haldir, ich gehe dort hin, wohin du gehen wirst, und wo du stirbst, da werde auch ich sterben."
Wieder reisse ich ihn in meine Arme, doch etwas  Spitzes bohrt sich an meine Kehle. Es ist die Spitze eines Schwertes.

Ich sehe in das Gesicht Elladans, er ist bei uns mit seinen Kriegern, ich danke den Valar, es ist nicht Elrohir. Elladan war stets mein Freund, er , der so ruhig und besonnen ist.
"Einen schlechten Tausch hast du gemacht, mein Freund Haldir ."Bevor ich mich besinnen kann halten mich zwei der Krieger und zwei andere binden Legolas die Hände.
"Du kannst gehen, wohin es dir beliebt,Haldir, " er zeigt auf Legolas , " dieser Elb hat den König von Gondor niedergestochen, er verdient den Tod"
" Das entspricht nicht der Wahrheit, und das weisst du", entgegne ich wütend und ich versuche  vergeblich,mich zu befreien.
Elladan sieht mir zornig ins Gesicht.
"Willst du damit sagen, dass der König von Gondor eine Lüge ausspricht? Der König spricht immer die Wahrheit."
Meine Stimme versagt, Entsetzen überkommt mich."Ist der König am Leben? "frage ich endlich.
"Dieser Elb hat seinen Dolch nicht recht gebraucht, denn der König ist am Leben , den Valar sei Dank."
Legolas sieht zu mir, er ist bleich geworden und in seinem Gesicht sieht man das Grauen, welches er empfinden muss deutlich.
"Geh, Haldir , halte uns nicht auf".Mit diesen Worten schwingt sich Elladan auf sein Ross und einer seiner Krieger zieht Legolas zu sich auf sein Pferd.
Meine Erstarrung löst sich, ich werde Legolas nicht fortführen lassen, in den sicheren Tod.
"Der König von Gondor spricht eine Lüge, nicht Legolas führte den Dolch, ich war es."Ich halte Elladans Ross am Halfter."Für diese Worte verdientest du allein schon den Tod, aber ich bin dein Freund, Haldir, ich habe sie nicht gehört."
" Dann werde ich mit euch kommen," ich schwinge mich hinter Elladan auf sein Ross und er lässt mich gewähren, er sagt nur leise " Haldir, ich bitte dich, geh, wohin du willst, geh in die unsterblichen Lande, sie sind dir offen, aber folge uns nicht, denn der König ist voller Zorn.Es wäre auch dein Tod."
"Dann ist er es," sage ich leise und sehe meinem Blatt dabei in die Augen.
Legolas sieht mich lange an, dann lächelt er. " Mein Haldir, " sagt er leise, "ich fürchte mich nicht. Du verlässt mich nicht."
"Niemals" , sage ich," Wir sind beisammen für alle Zeitalter dieser Welt, mein Ainur."
Ein rascher Blick noch und wir jagen den gleichen Weg zurück, den wir gekommen sind, vor so kurzer Zeit.
Des  Nachts gestattet Elladan , dass ich mich neben Legolas lege, doch seine Krieger halten ein wachsames Auge auf uns. Ich trage keine Waffen und Legolas Hände sind gebunden. Ich kann ihm die Fesseln nicht lösen. Aber ich kann ihm zärtlich über das Haar streichen, ich kann seine Lippen küssen und ihm  Worte des Trostes und der Liebe zuraunen. Er schmiegt sein Gesicht an das meine . Seine Augen sind wieder voller Leben und er ist völlig furchtlos.Er  tröstet mich in aller meiner Verzweiflung und ich werde in seiner Gegenwart ruhig und still.
"Wir gehen in die unsterblichen Lande, wir werden gemeinsam unseren Morgen sehen."
Er lächelt mich an. " Der letzte Krieg ist vorüber, die letzte Schlacht geschlagen, es kann uns nichts mehr geschehen." Ich kann meine Verzweiflung nicht unterdrücken."Ohne dich sehe ich die grauen Anfurten nicht, niemals. Es kann so vieles geschehen, Aragorn wird in seinem Zorn furchtbar sein. Es ist so entsetzlich, dass er sagte, du habest den Dolch geführt."
Legolas küsst mir die Augen " Haldir, was ist denn Aragorn in seinem Zorn? Er ist nichts, dass weiss ich jetzt und  was können Menschen uns noch antun?"
Ich umarme ihn und schmiege mich an ihn. Für einen Augenblick erwäge ich. ihn und mich zu töten, denn dann wären wir erlöst, aber ich kann es nicht, denn nicht nur, dass mir alle Waffen abgenommen sind, auch hält die Wache ihre Augen unaufhörlich auf uns gerichtet.
Doch allem voran sage ich mir unaufhörlich, ich will nicht, dass er stirbt, er soll leben, wir wollen leben, denn wir gehören auf immer zusammen.Es gibt einen Ausweg ,es muss ihn geben, die Valar können nicht so grausam sein, uns ohne Hoffnung zu lassen und liessen sie es auch mich, mein Blatt ist doch einer der ihren, sie können ihn nicht verzweifeln lassen. Ganz klar ist nun mein Geist. Es gibt noch eine Hoffnung, ich muss nur daran glauben, dann werde ich einen Weg für mein kleines Blatt .und mich finden.,und den Valar sei noch einmal Dank, es war Elladan, der uns fand, nicht Elrohir. Und wie befindet sich Aragorn? Von dieser Frage hängt  nun unser Leben ab.

Gemeinsam steigen wir die Stufen der Königsburg hinauf, Legolas in Fesseln, ich zwischen zwei seiner Mannen. Legolas lächelt mir zu und ich beuge mich zu ihm und küsse seine Stirn.
"Iluvatar wird mit dir sein, mein Leben."
Vor dem Gemach Aragorns halten die Wachen Legolas zurück  und bedeuten mir, einzutreten.
ich werfe einen verzweifelten Blick zurück, denn wo werden sie mein Blatt hinführen?
Doch mein Streuben wird sogleich unterdrückt und ich betrete den Raum. Aragorn liegt auf seinem Lager, er ist verbunden um Brust uns Schulter, aber er ist wach und kräftig, es ist  die Verwundung ihm nicht anzusehen.
Er mustert mich und sagt dann" Haldir, ich bin erfreut, dass du an mein Lager trittst, auf welches mich der schändliche Angriff des Elben aus dem Düsterwald geworfen hat" Ich glaube , meinen Ohren nicht zu trauen, denn Aragorn und nur er weiss, dass ich den Dolch führte.
"Ich hege keinen Groll gegen dich Haldir, du kannst gehen wohin es dir beliebt. Du kannst auch mein Gast sein, denn deine Verdienste um mich sind gross."
"Wirst du Legolas aus dem Düsterwald befreien? Denn du weisst so gut wie ich, dass ich den Streich tat."
Ein Anflug seinen alten Lächelns gleitet wieder über sein Gesicht.
"Was ich sagte, habe ich gesagt ." Ich starre in ihn an.
"Weshalb willst du mich schonen?" "Ich will dich nicht schonen, ich will, dass er nicht mehr am Leben ist." "Weshalb willst du das, er hat kaum noch gelebt, er ist so jung."
Aragorn greift nach meinem Arm und flüstert heiser"Ich sagte es dir schon einmal, ich will nicht, dass jemand anderes ihn in die Arme schliessen wird, und ich darf es nicht mehr.Denn ich bin ihm verfallen, für immer.Rasend werde ich, wenn er in deinen Armen liegt. Deshalb sei er verflucht,  vielleicht gibt es ja einen Ort, wo er nach seinem Tode alle Qualen die es nur gibt , leiden muss."
Voller Furcht springe ich in die Höhe, das ist nicht mehr der kühle spöttische Waldläufer, das ist ein Mensch, der voller rasender Leidenschaften ist.
Er flüstert weiter"Meinst du nicht, dass es ein Leichtes war, ihn unter meinen Willen zu zwingen?
Du hast einen Anteil daran, denn du schlugst ihn vor Eifersucht.
Es ist wahr, ich hätte dich schon damals töten können, um der Liebe willen, die Legolas für dich empfand. Er weinte und war ohne Trost an jenem Abend, erinnerst du dich? Ich gab vor , ihn zu trösten , doch ich wollte ihn, einzig und allein wollte ich seinen Leib, und er ergab sich. Leicht war es auch ihm einzuflüstern, dass du ihm das niemals vergeben würdest, denn er kannte dich in deinem Zorn.Nach und nach zwang ich ihm meinen Willen auf, er sah nur noch mich, er hörte nur noch mich. Ich schlug ihn, wenn er sich verweigerte und er versuchte es später dann nicht mehr.
Ich zwang ihn,  vor den Augen derer, die uns kannten , mir zu willen zu sein, denn ich wusste , sie würden ihn dafür hassen und verachten, nicht aber  mich, er wurde dadurch nur noch fester an mich gebunden .Tag und Nacht liess ich ihn nicht von meiner Seite, ich war rasend, wenn ich ihn nicht sah, nicht spüren konnte. Alles, was ich nur wollte , tat ich mit ihm, er war mir in allem zu Willen, auch wenn er Furcht davor verspürte und er ist in diesen Dingen furchtsam..
Erregt dich, dieses zu hören? Du willst ihn noch, ich spüre es, aber du wirst ihn nicht bekommen, niemand wird ihn bekommen, niemals, nur die Hallen Mandos' werden ihn noch sehen.Die Geister der Erschlagenen werden sich seiner annehmen, aber diese  kennen solche Freuden, wie er sie mir bereitet hat nicht mehr.  "Die letzten Worte schreit er in den Raum  und seine Augen flackerten wie Feuer. Er schlägt die Hände vor sein Gesicht.Mich schüttelt das Grauen, dieser Mensch, der sich mir so offenbarte , hat die Macht über mein kleines grünes Blatt.
Aragorn sieht müde aus, er winkt mich aus dem Gemach..
"Geh, Haldir, was ich sagte, sage ich noch einmal, du kannst es nicht ändern, Legolas wird seine Strafe erleiden."

Ich taumele aus dem Gemach, alles, was ich denken kann ist, "oh ihr Valar, beschützt heute  Nacht euren Bruder, bleibt bei ihm."Ich wage nicht zu denken, was geschehen kann , geschehen wird, wenn der König mein Blatt zu sich befehlen sollte. Als ich aus dem Gemach trete,ist er schon weggebracht, wohin, ich weiss es nicht.
Brachte man ihn in einen Kerker, brachte man ihn in einen Raum hier in der Königsburg?
Trägt er Ketten und liegt er auf Stroh oder kleidete man ihn festlich, um ihn noch einmal vor den König zu führen?
Beide Gedanken wollen mir das Herz brechen, wie auch der Gedanke an die Worte Aragorns, denn mein Anteil an diesem Unheil ist gross.
Meine Eifersucht trieb mein Blatt in die Arme Aragorns und mein Zorn stürtzte ihn in Verzweiflung. Ich bin frei, niemand bewacht mich mehr, oder bewacht man mich doch ?
Gibt es Augen, für mich unsichtbar, die jeden meiner Schritte beobachten, jede meiner Taten verzeichnen, um sie dem König zu hinterbringen?
Ich bin sicher, dass es so ist, denn Aragorn ist klug , er weiss, dass ich verzweifelt bin und in meiner Verzweiflung alles wagen würde.Er hat sich mir offenbart und das kann er sich selbst nicht vergeben.
Ich gehe langsam durch die Königsburg, jeden Gang, jede Tür die nicht verschlossen ist, erkunde ich.Ich versuche in Erfahrung zu bringen ,wo er ist,doch niemand will etwas von Legolas aus dem Waldlandreich wissen., er ist verschwunden für mich.Am dritten Tag, als ich vor Sorge meiner Sinne kaum noch mächtig bin, winkt mir ein Krieger Aragorns. Er führt mich durch die Burg, Treppen hinab in einen langen Gang, steinern und feucht. es ist ein Verlies, aus alter Zeit noch. Er öffnet eine schwere Tür und stösst mich in die Finsternis.Ich stürze zur Tür, die sich gleich wieder geschlossen hat "Haldir", sagt hinter mir eine Stimme, eine so leise und liebliche Stimme, dass mein Herz aufhören will zu schlagen. Sie gehört meinem kleinen Blatt. Meine Augen gewöhnen sich an das Dunkel und ich sehe,  sein schönes Haar ist fällt wirr über seine Schultern,er sitzt auf dem Boden, er ist nicht gebunden denn hier aus diesem Verlies kann er nicht entkommen.Tränen stehen in meinen Augen, ich kann es ihm nicht ein klein wenig erleichtern."Mein Blatt"
Ich umarme ihn vorsichtig, dann fasse ich ihn fester.
"Wie lange wirst du hier sein müssen, mein Blatt?"Leise und ein wenig traurig entgegnet er, "Solange, bis Aragorn es für gut befindet,mir den Kopf abschlagen zu lassen. und er wird es morgen für gut befinden"
Er ist tapfer und versucht, wieder zu lächeln, aber es gelingt ihm nicht recht.
" So soll es ihm denn doch gelingen, mich zu töten, aber ich sterbe nicht von eigener Hand, nicht, weil er es mir  befohlen hat. Das ist ein Trost für mich und diesen Trost gabst du mir".
Ich versuche ihn meine Verzweiflung und meinen ohnmächtigen Zorn nicht merken zu lassen." Tat er dir etwas an?" " Nein, ich bekam ihn nicht zu Gesicht, seine Ratgeber sprachen das Urteil über mich, sie hörten mich gar nicht erst an, das Urteil stand schon fest, als ich den Raum betrat.Und ich hätte niemals gesagt, dass du den Dolch führtest.
Ich küsse seine Augen und Lippen. "Fürchte dich nicht, mein Blatt, ich bin bei dir. "
Er lächelt ein strahlendes Lächeln nun.
"Ich fürchte mich nicht, Haldir, denn ich bin frei."
Liebevoll streiche ich ihm über das wirre Haar. " Ja, du bist frei, mein Ainur, niemals wird jemand wieder die Macht über dich bekommen, auch ich nicht, du bist frei."
Der Wächter reisst mich von meinem Blatt und führt mich zurück.
Meine Gedanken rasen, ich allein kann nichts tun, meine Hände sind gebunden,in meiner Verzweiflung denke ich an Elladan, meinen Freund, er muss es tun, er muss meinem unschuldigen Blatt das Leben retten, wie, ich weiss es nicht .Mit dem morgigen Tag werden mein Blatt und ich frei sein, oder tot.

Die Nacht verbringe ich auf den Stufen der Burg, ich kann meine Gedanken nicht sammeln, wirr schiessen sie mir durch den Kopf. Ich sah Elladan nur in Begleitung seines Bruders und in dessen Gegenwart kann ich nicht bitten. Soll ich zu Aragorn gehen und mich ihm zu Füssen werfen?Ich bin bereit, meinen Stolz hinzugeben, ich, der einst der stolzeste Elb war, der in Mittelerde lebte.Wenn ich Legolas dadurch retten könnte, ich würde Aragorn anflehen.Doch es würde keinen Nutzen bringen, er ist hart, wie Stein Ich besitze keine Waffen und selbst, wenn ich sie zurückerhalten würde, wie könnte ich Legolas den Händen seiner Henker entreissen, ich bin allein und der Wachen sind viele.Nein , ich will glauben und die Valar anflehen mir einen Weg zu zeigen,
und kann ich keinen Weg mehr finden, folge ich Legolas.Wie wird es sein, werden alle Menschen, die in Minas Thirit leben, Zeuge sein, wie ein Elb stirbt, oder wird es im Geheimen geschehen, so, dass es niemand sieht, denn die Regentschaft des Königs darf nicht mit einer Bluttat beginnen.
.Elladan, mein Freund bleibt als meine einzige Hoffnung.
Im Morgengrauen versuche ich, in sein Haus zu kommen. Elladan  steht in seinem Gemach und es sieht aus, als hätte er sich nicht zur Ruhe begeben, denn tiefe Schatten liegen unter seinen Augen.
"Haldir, mein Freund "leise umarmt er mich"Wäre dieser Tag doch nie gekommen. "
In seinen Augen stehen Tränen. "Ich weiss, du willst mich bitten für Legolas aus dem Düsterwald, doch meine Hände sind gebunden, ich kann nichts tun."
"Du sassest im Rat, und du wusstest, das er unschuldig ist, dass ich es war, der Aragorn niederstach, weshalb sprachst du nicht für ihn.?
Elladan sieht mich traurig an. "Ich kann meinen König nicht nicht der Lüge bezichtigen, das verbietet mir die Treue." "Kannst du einem solchen König treu sein? Elladan, bitte, ich bitte dich, hilf mir, hilf Legolas oder hasst du ihn auch so sehr?"
Ein winziges Lächeln sitzt jetzt in seinen Augen.
"Wie kannst du nur sagen , ich hasse ihn, nein, Haldir, niemals habe ich es merken lassen und meine Zunge wäre versiegelt auf ewig, wenn es nun nicht zum Letzten ginge,  Haldir, ich liebe ihn auch. Ich liebe ihn nicht wie einen Bruder, ich liebe ihn, wie du Haldir und ich will nicht dass er stirbt, auch wenn er dir gehört."
"Hilf uns Elladan ,komm mit uns, du bist Aragorn nicht mehr zur Treue verpflichtet."
Er zögert eine winzige Zeit,aber in diesem Augenblick tritt Elrohir zu uns. Ich fürchte seinen Anblick, denn er will Legolas tot sehen, aber er nickt mir nur zu.
" Heute im Abenddämmern wirst du zugegen sein, wenn der Elb aus dem Düsterwald den letzten Gang antritt. Der König wünscht es so." Ich soll also zusehen, wie mein Blatt leiden muss, aber ich wollte bei ihm sein und ihn nicht verlassen.Ich werde zugegen sein.
Elrrohir lächelt. "Hege keine Hoffnung , Haldir, denn niemand wird in Gegenwart des Königs eine Waffe tragen, ausgenommen die Wachen."
"So wird es nicht vor allem Volk sein?" " Er ist der Sohn eines Königs, und so werden nur die Edlen des Reiches anwesend sein dürfen ." Für den Königssohn Legolas wird es kein  Schauspiel vor dem Volke geben, selbst dafür bin ich dankbar.Elladan legt mir die Hände auf die Schultern.
"Alles ist getan, nichts bleibt mehr zu tun übrig. In den Händen der Valar liegt nun das Schicksal des Legolas aus dem Waldlandreich "
Er tritt einen Schritt zurück und sagt noch einmal laut und eindringlich. "Hörst du ,Haldir, in den Händen liegt sein Schicksal."
Ich verlasse die Brüder, in meinen Ohren klingen unaufhörlich Elladans letzte Worte.
In ihren Händen, hörst du Haldir? In den Händen. Nicht nur in den Händen der Valar liegt nun sein Schicksal,sondern in den Händen, in welchen Händen?

Die Abenddämmerung breitet sich schnell über Minas Thirit, zu schnell. Mein Herz schlägt bis zum Halse, in dumpfen Wirbeln schlägt es, gibt es noch Hoffnung?
Wenn es sie gibt, wer breitet seine Hände heute Abend über Legolas, mein Blatt. Ich klammere mich an die Hände, an die Hände der Valar, an die Hände, von denen Elladan sprach.
Beim Eintreffen werde ich von zwei Wachen zu meinem Platz geleitet. Die Edlen des Reiches haben sich versammelt, der König ist noch nicht eingetroffen. Unruhig sehe ich mich um.Es ist die Königshalle, die sonst  freudige Feste sah.
Nun soll sie Zeuge eines düsteren Schauspiels werden. Die Tore sind   verschlossen, die Fackeln geben ein düsteres Licht.
Ich sehe mich um, ich kenne die Edlen und die Ritter, ich sehe niemanden, der Legolas liebevoll in seine Hände nehmen würde, der ihn retten könnte.Verzweifelt sehe ich zu Elladan, der in der Nähe des Tores Platz genommen hat. Was meinte er mit seinen eindringlichen Worten. In den Händen liegt sein Schicksal?
Aragorn  betritt den Saal. Er geht aufrecht, obwohl ihn die Wunde schmerzen muss.
Die Edlen beugen das Knie und ich stehe allein, denn ich bringe es nicht über mich, dass Knie vor ihm zu beugen.Er bemerkt mich wohl und lächelt mir zu, dann winkt er mich an seine Seite.
"Komm zu mir Haldir, denn du siehst hier ganz genau, wie der kleine Mörder stirbt."
Ich werde bleich, kaum bin ich meiner Sinne mächtig."Es befriedigt dich doch , dass der Gerechtigkeit genüge getan wird?"
Ich starre stumm in sein Gesicht, ich habe keine Worte mehr für ihn.
Elladan ist aufgestanden, er wendet sich zum Tor, welches nun geöffnet wird und nickt mir unmerklich und tröstend zu.
Aragorn wechselt einige Worte mit Elrohir, welcher hinter ihm steht, diesen Augenblick nutze ich, um mich von Aragorns Seite zu schleichen. Ich begebe mich in die Nähe meines Freundes, der beruhigend seine Hand auf die meine legt. Ich spüre etwas Hartes in meiner Hand, es ist mein Dolch, den ich blitzschnell unter meinem Gewand verberge.Ein leises Gefühl der Hoffnung keimt in mir, doch selbst wenn ich den Dolch gebrauchen könnte, Legolas wird gebunden sein, ich käme nicht in seine Nähe um ihn zu lösen.
Die Edlen erheben sich, denn durch das geöffnete Tor, wird Legolas geführt, mein Blatt.
 Seine Hände sind in Fesseln, seine Füsse sind nicht gebunden. Er trägt die Kleidung, welche er auf allen seinen Wegen trug, die ich so gut kannte. Sein langes Haar ist geordnet und  sein Gesicht überglänzt ein Lächeln , als er mich sieht. Es ist keine Trauer zu bemerken, eher eine heitere Gelassenheit.Zwei Wachen begleiten ihn und führen ihn vor den König.
Er wird auf die Knie gedrückt, doch er beugt das Haupt nicht, er sieht Aragorn gerade ins Gesicht.
Einen Augenblick sehen sich beide in die Augen, dann wendet Aragorn den Blick ab.
Eine harte Stimme verkündet"Legolas, Sohn des Thranduil, König des Düsterwaldes, meuchlings stachest du den König von Gondor nieder und auf diese Untat steht der Tod.Du wurdest von den Edlen Gondors verurteilt und dieses Urteil wird nun vollstreckt. Da du der Sohn eines Königs bist, wird das Schwert dich zu Tode bringen.Dir gebührt es, ein letztes Wort zu sprechen und den König um Verzeihung zu bitten."Mit seiner lieblichen Stimme antwortet Legolas"Ich habe den König von Gondor  nicht um Verzeihung zu bitten, er hat keine Macht über mich, denn ich bin frei."
Aragorn sieht ihm jetzt  in die Augen. "Frei im Tode bist du , Legolas,keine andere Freiheit gibt es mehr für dich."
Legolas wird von den Knien in die Höhe gezogen und seine Hände werden neu gebunden.
Mein Herz schreit verzweifelt auf, als einer der beiden Wächter sein schönes Haar  hochbindet, und sein langer schlanker Hals zu sehen ist. Der Henker tritt mit dem blossen Schwert hinter ihn Legolas sieht zu mir und lächelt und ich fasse den Dolch fester.Keine rettenden Hände sehe ich.
Elladan greift meinem Arm. "Haldir, sieh die Hände der Valar, sieh seine  Hände"
Er tritt zurück an das Tor.

Der Henker beugt das Knie vor Legolas und bittet ihn um Verzeihung, das er seinem lebendigen Leib zu Tode bringen muss.
Legolas, mein liebes Blatt, lächelt ihn an. "Ich verzeihe dir " dann kniet er nieder, wirft mir einen Blick zu, den ich nicht deuten kann. Ich bin willens, mich mit dem Dolch auf den Henker zu stürzen, doch Elladan, der wieder neben mich getreten ist, bewegt verneinend den Kopf.
Der Henker will sein Schwert heben, doch Legolas' langes Haar ist in den Nacken gefallen, es muss erneut gebunden werden.Aragorn sieht wie gebannt auf mein Blatt, die Edlen sind unwillig ob der Verzögerung.
Ein rötlicher Schein strahlt durch die Lichtöffnungen  des Saales,  unruhig ist der Schein, kann so die untergehende Sonne strahlen? Doch wie kann sie noch strahlen, sie ist ja schon seit geraumer Zeit vom Horizont verschwunden.
Wieder hebt der Henker das Schwert, ich will mich nach vorn werfen, doch Legolas ist schneller als ich. Ich sehe , seine Hände sind frei, sie sind nicht mehr gebunden, er stösst dem Henker die Faust ins Gesicht , so dass dieser zurücktaumelt und springt mit einem gewaltigen Satz in meine Arme.
Seine Hände waren frei, wer tat dieses?Mit diesen seinen Händen befreite er sich selbst. Wer löste seine Hände?
Waren es die Valar? . Elladan, ich werde das Knie vor dir beugen, sollten wir gerettet werden, denn es waren deine Hände, von den Valar geleitet.
Verblüffung ist in den Gesichtern aller zu sehen,einen kleinen Augenblick  rührt sich niemand ich nutze diesen Moment und Legolas und ich bahnen uns einen Weg zum Tor, bei welchem Elladan vor wenigen Augenblicken stand, als es aufgestossen  wird und ein Hauptmann der Wache schreckensbleich in den Saal stürzt "Mein Herr und Gebieter, der Königssaal steht in Flammen, alles was nicht aus Stein ist, brennt."
Alle Edlen und Ritter springen von ihren Plätzen. Ein Schrei, wie aus einer Kehle tönt durch den Raum.Aragorn ist aufgesprungen.
"Wie schlimm steht es, ?""Die Flammen sind ganz nah"Ich ziehe meinen Dolch, als Aragorn sich zum Henker wendet. "Und wenn es mein  und dein Letztes ist, erschlage mir diesen Elben."
Doch Henker, wie Wachen, Edle des Reiches sind einen Augenblick wie betäubt.Als sich die Erstarrung ob des Schreckens löst,entsteht ein gewaltiger Tumult ,in welchem niemanden  mehr der Sinn nach dem Tod meines Blattes steht, denn jedem steht jetzt der eigene Tod vor Augen. Ausgenommen Aragorn, er fürchtet die Flammen nicht und er allein denkt an den Tod Legolas'
 Für einen winzigen Moment drücke ich mein Blatt fest an mich, ich kann es nicht glauben, ich muss mit meiner Fassung ringen, Legolas warmen Körper in meinen Armen zu halten ,  ist ein Geschenk, dass ich nicht verdient habe.
Wer legte Flammen an die Wände der Königshalle, Flammen, die uns retten könnten? Doch retten sie uns? Wir sind doch selbst gefangen in dieser brennenden Halle.

Rauchschwaden dringen in die Halle, sie ist aus kostbarem Holz gefertigt und so übertönt das Knistern der Flammen jeden Ruf, jeden Schrei.Ich sehe mich nach Elladan um, wo ist mein Freund? Ich kann ihn nicht entdecken.Alle, die Zeuge des Todes Legolas sein wollten, drängen zum Tor, Wachen, wie Edle.Einzig Aragorn bleibt zurück, er steht vor seinem Thronsessel und sieht mit starren Augen in die Flammen.
Mein Blatt bleibt an meiner Seite, wir versuchen  einen Weg zu finden, hinaus aus den Tor, in die rettende Freiheit.Als wir endlich das Tor passieren und ins Freie treten, prallen wir zurück, vor uns befindet sich ein undurchdringlicher Feuerwall.

Höher und höher lodern die Flammen, sie erfassen das ganze Gebäude, aber wir sind im Freien, unsere scharfen Augen  suchen einen Ausweg . Inmitten des Getümmels, ins Freie drängende, Menschen, die sich in ihrer Angst vor den Flammen niedertreten, entdecken wir im steinernen Unterbau der Königshalle eine Nische, in welcher wir uns verbergen. Stundenlang harren wir so, die Hitze ist unerträglich, aber uns erfassen die Flammen nicht.
Der Morgen dämmert, eine rote Sonne  schickt ihre Strahlen  auf eine Wüste aus verkohltem Holz und verkohltem Gebein.
Trauer steht in unseren Augen, Elladan, unser Herz weint um ihn, denn auch er konnte nicht mehr entkommen.
Mein kleines Blatt geht an meiner Seite, ich lege den Arm um ihn, wir bahnen uns  einen Weg durch die Trümmer, hinaus aus der Stadt. Legolas  zittert und drängt sich gegen mich. "So viele Leben, Haldir, warum nur mussten so viel ihr Leben lassen."
Unversöhnlich entgegne ich" Es war ihr Leben gegen deines und die Valar wollten, das du lebst"
Legolas senkt den Kopf."Haben sie das Leben nicht verdient?
Habe ich es verdient? Oh Haldir, mein Herz ist voller Trauer  "
Legolas war dem Tode so nahe und er kann darüber keine Freude empfinden
Er umfasst mein Gesicht."Haldir, einmal sagte ich, dass wir in einen neuen Morgen gehen wollten. Dazu musst du verzeihen, Haldir, Verzeih, was man uns angetan hat und verzeih auch Aragorn, denn auch er ist nicht mehr unter den Lebenden.Wir könnten sonst nicht in unserem Morgen leben, wenn wir voller Hass sein werden. " Ich nehme seine Hand und küsse sie. "Legolas, Ainur, Iluvatars liebste Schöpfung, er hat dich mir zurückgegeben und ich werde versuchen , Aragorn  zu verzeihen, ich kann es noch nicht, aber vielleicht werde ich es eines Tages können."
Mir fällt ein, dass ich dazu meinen Schwur brechen muss, wie ich es schon einmal getan, aber langsam begreife ich, dass Verzeihen und liebevolles Miteinander wichtiger sind, als alle Eide, die wir so leicht sprechen.
Wir lassen die Trümmer hinter uns und wir gehen miteinander in das Licht eines neuen Tages.
Lange Zeit ist nun vergangen, wir sahen die grauen Anfurten nicht, wir sind nicht in die unsterblichen Lande gegangen.
Legolas ist bei mir und wenn ich ihn nicht sehe  ist mir, als wäre das Licht desTages erloschen. Er lächelt dann ein wenig über mich, aber seine Liebe ist tiefer als sie je war.
Auch meine Liebe hat sich gewandelt.Wir sind durch Feuer und Tod gegangen , und wir wissen, wir gehören zusammen für alle Zeitalter dieser Welt.
Oft denken wir an die Zeichen der letzten Tage des Unheils, alle die wir kannten sind dahin, Elladan, wenn ich an diesen Namen denke, will mein Herz zerbrechen, was tat er für uns, und er gab dafür sein Leben. Welch eine Liebe musste er zu meinem Blatt hegen.
Aragorn, wenn ich an ihn denke , fürchte ich um meine Gefühle, hat er seine rasenden Leidenschaften nicht gebüsst in den Flammen seiner Halle?
Nach so langer Zeit kann ich ohne Bitterkeit an seinen Namen denken, auch mein kleines Blatt vergisst ihn nicht und doch kann er über alles, was Aragorn ihm angetan ,ohne Hass sein.
Mein kleines grünes Blatt, Freude meines Herzens, ich danke Iluvatar jeden Tag meines Lebens , dass er mir seinen Ainur gab, der bei mir bleibt und mich beschützt.
Die Zeit der Elben ist vorüber, doch wir verlassen Mittelerde nicht. Durch alle Zeitalter wollen wir bei den Menschen sein, um die Gnade, die uns zuteil wurde, weiterzugeben.
Wir sind bei euch, wenn ihr traurig seid, wenn ihr nur noch Hässliches seht. Überkommt euch Trauer, so lauscht, ob ihr nicht ein liebliches Lachen hört, schöner als jeder Gesang der Ainur, es ist Legolas der euch über die Schulter sieht und euch mit seiner lieblichen Stimme Mut zuspricht.
Seht ihr nur noch Hässlichkeit, so seht genau hin, Legolas, der die Schönheit selbst ist, hilft euch , das Schöne wieder zu entdecken.
Wenn eines Tages der Wind ein   Blatt  vor eure Füsse weht, dann hebt es auf und bergt es in Liebe, denn es ist euer kleines grünes Blatt.


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